3 Tage in Quiberon Österreich, Frankreich, Deutschland 2018 – 115min.

3 Tage in Quiberon

Filmkritik

Ein gebrochener Weltstar

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Das in ästhetische Bilder gekleidete, zutiefst bewegende Drama 3 Days in Quiberon erzählt vom letzten, drei Tage dauernden Interview der großen Romy Schneider.

1981 treffen der Fotograf Robert Lebeck (Charly Huber) und der Journalist Michael Jürgs (Robert Gwisdek) den Filmstar Romy Schneider in der Hafenstadt Quiberon. Eigentlich spricht Schneider nicht mit deutschen Medien, doch sie will endgültig mit ihrem Sissi-Image brechen. Lebeck und Jürgs treffen auf eine ausgebrannte Frau, die pleite ist und an der Flasche hängt. In Frankreich will sie ihr Leben in den Griff bekommen. Ihre Freundin Hilde (Birgit Minichmayr) hält es daher für keine gute Idee, die Presse einzuladen. Tatsächlich erweist sich die gemeinsame Zeit für alle Beteiligten als nervenzehrende Belastungsprobe.

Der Film von Regisseurin Emily Atef beruht auf wahren Begebenheiten. Im März 1981 verbrachten „Stern“-Reporter Jürgs, Lebeck, Fritsch und die damals 42-jährige Schneider drei Tage in dem Kurort Quiberon. Fast genau ein Jahr später – im Mai 1982 – starb Schneider an Herzversagen. Atef und ihr Team drehten von November 2016 bis Januar 2017 an Originalschauplätzen in Deutschland und Frankreich.

Es ist ein launischer, zwischen kindlicher Naivität und großer Verletzlichkeit hin- und her schwankender Weltstar, den der Zuschauer hier zu sehen bekommt. Eine Frau, die sich auf der Zielgeraden ihres Lebens befindet. Deutlich wird dies in jenen zutiefst bewegenden Momenten, die das ganze Ausmass ihrer fragilen seelischen Verfassung zeigen. Und: die weit vorangeschrittene Alkoholsucht. Etwa wenn die Schauspielerin von einer Hotelangestellten in desolatem Zustand aufgefunden wird, auf dem Boden kauernd, wie ein Häufchen Elend.

Dann gibt es Augenblicke, in denen Schneider vor Energie strotzt, ausgelassen auf Felsen umherhüpft und auf der Straße tanzt. In all diesen, höchst ambivalenten Momenten vermittelt Marie Bäumer das zerrüttete Seelenleben Schneiders ungemein glaubhaft und dringlich. Sie spielt Romy Schneider nicht nur, sie wird zu Romy Schneider. Dazu trägt auch ihre verblüffende Ähnlichkeit mit der Schauspielerin bei.

Die besondere Würze des Films, den Atef in erlesene Schwarz-Weiß-Bilder kleidet, liegt im Spannungsverhältnis zwischen den Protagonisten. Denn alle Charaktere hegen unterschiedliche Interessen. Da ist der manipulierende, provozierende Fragen stellende Enthüllungsjournalist, dem es um Auflage und Leserzahlen geht. Da ist der Fotograf, der für Schneider schwärmt. Und die beste Freundin (Birgit Minichmayr verkörpert diese mit großer Sensibilität), die um Schneiders Wohl besorgt ist. Und natürlich die innerlich gebrochene Romy Schneider selbst, die in Quiberon einen dramatischen Seelenstrip hinlegt, der unter die Haut geht.

08.03.2018

4

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