La Ch'tite famille - Die Sch'tis in Paris Frankreich 2017 – 107min.

La Ch'tite famille - Die Sch'tis in Paris

Filmkritik

Was für ein Kauderwelsch

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Vor zehn Jahren hatte Dany Boon mit Bienvenue chez les Ch'tis grossen Erfolg. Mit der Idee zu einem Sequel hat er schon lange geliebäugelt, aber es dauerte, bis die Geschichte Form annahm und er sich an die Verwirklichung dieses erneuten Treffens mit den Sch’tis machen konnte.

Valentin (Dany Boon) hat als Designer Erfolg und erzählt in einem Interview, er sei ein Waisenkind. Das ist aber dreist gelogen: Seine Familie, die aus dem Norden des Landes kommt und in wüstestem Kauderwelsch spricht, ist ihm einfach peinlich. Die wissen das aber wiederum nicht und reisen zur Feier des 80. Geburtstags der Mutter an. Als die Landeier in Paris ankommen, wird es turbulent, denn nun droht Valentins Geheimnis herauszukommen. Doch damit nicht genug: Er wird überfahren, leidet unter Gedächtnisverlust und spricht nun wieder wie seine Familie, was die Situation für seine Frau Constance (Laurence Arné) nicht wirklich leichter macht …

Ob man den Film lustig findet, steht und fällt damit, ob man den Dialekt, den die Sch’tis sprechen, amüsant findet. Im Französischen ist das für Kenner der Sprache schon schwierig, in der deutschen Synchronisation ist es kaum leichter, da man auf einen ähnlich rabiaten, kaum verständlichen Dialekt gesetzt hat. Mitunter sind die Sch’tis schon zu verstehen, oftmals fragt man sich aber, was gerade gesprochen wird. Das wiederum reisst wieder und wieder aus der Geschichte heraus, die im Übrigen auch nicht gerade ein Füllhorn der Originalität ist.

Das Fisch-auf-dem-Trockenen-Prinzip wird hier in vollsten Zügen zelebriert, wenn Landeier auf Städter treffen und wenn distinguiertes Auftreten mit einer erdig-einfachen Art kollidiert. Das ist bisweilen schon amüsant, aber wenn dann auch noch das Story-Vehikel eines Gedächtnisverlusts bemüht wird, dann ist das schon nicht besonders anregend. Weil man Geschichten dieser Art einfach viel zu oft gesehen hat. Und so gut Dany Boon auch sein mag, gegen die geballte Ladung an Klischees, die er als Ko-Autor und Regisseur mitzuverantworten hat, kann auch er nichts ausrichten. Die besten Szenen hat Line Renaud, die Grand Dame des französischen Kinos, erhalten, die als Mutter der Sch’tis herrlich frech und nonchalant agiert, aber ebenso Herz mitbringt. Pierre Richards Einsatz als Vater ist hingegen ein wenig verschwendet, da es dauert, bis er wirklich in die Handlung integriert wird.

Das Ergebnis ist ein Wiedersehen, das man sich auch sparen könnte. Im Grunde ist der Film wie ein Familienfest, bei dem sich die Lust in Grenzen hält, all die Verwandten, die man ansonsten schon nicht mag, wiedersehen zu müssen…

16.03.2018

2

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Kommentare

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Crious

vor 3 Monaten

Festival des eindimensionalen Witz.


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