Nadie nos mira Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Spanien, USA 2017 – 102min.

Filmkritik

Jemand schaut immer zu

Zurich Film Festival
Filmkritik: Zurich Film Festival

Der dritte Spielfilm der argentinischen Regisseurin und Wahl-New-Yorkerin Julia Solomonoff Nadie nos mira feierte am Zürich Film Festival seine Europapremiere. Es ist die Erzählung eines Mannes, der in New York seinen America Dream als Schauspieler zu realisieren versucht.

Kritik von Janine Heini im Rahmen des Watch and Write am ZFF 2017.

Nico ist aus Buenos Aires gekommen, wo er in einer erfolgreichen TV-Serie gespielt hat, um in New York ein neues Filmprojekt zu realisieren. Der Dreh kommt schlussendlich jedoch nicht zustande und so muss sich Nico als Babysitter und Kellner seine Brötchen verdienen, während er auf der Couch einer Freundin abstürzt.

Das Schauspielern beschränkt sich vielmehr auf seinen Alltag, wo er seinen Mitmenschen ständig was vorspielen muss, damit niemand merkt, wie schlecht es ihm eigentlich geht. So treibt er zwischen Frust und Hoffnung im Big Apple. Schöne Bilder der Grossstadt lassen den Zuschauer die nach vollen Möglichkeiten erfüllte Luft regelrecht riechen.

Es ist ein Film über unerfüllte Träume, den Abschied von Ruhm und Ehre und über Fantasien, die mit allen Mitteln aufrecht zu erhalten versucht werden, indem eine Realität kreiert wird, die mehr den Träumen gleicht. Ja wäre nur Fantasie realistisch und Realität fantastisch. In Nicos Fall handelt es sich jedoch mehr um ein abstraktes Konzept. Für einen Südamerikaner ist er den Casting-Agenten zu blond, für andere Rollen wiederum ist sein Akzent zu stark. Langsam muss er einsehen, dass er auch sich nur was vorspielt und den Mut aufbringen, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen.

Der Hauptdarsteller Guillermo Pfening, der für seine Rolle als „Best Actor in an International Feature“ am Tribeca Film Festival ausgezeichnet wurde, schafft es mit subtilen Humor und einer brillanten Leistung, die emotionale Reflektion über Einsamkeit, Identitätsverlust und Selbstenttäuschung zum Ausdruck zu bringen.

27.10.2017

5

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