Monsieur & Madame Adelman Belgien, Frankreich 2017 – 120min.

Monsieur & Madame Adelman

Filmkritik

Eine Liebesgeschichte mit Höhen und Tiefen

Irina Blum
Filmkritik: Irina Blum

Monsieur & Madame Adelman erzählt die Geschichte von Victor und Sara Adelman: den Werdegang eines Schriftstellers und seiner Muse, aber auch die Biografie zweier Individuen, die immer wieder zu sich selbst und zueinander finden müssen. Nicolas Bedos hat damit eine Dramakomödie geschaffen, die so ehrlich brutal ist wie das Leben selbst.

Eine Witze erzählt bei der Beerdigung von ihrem verstorbenen Ehemann. An sich nichts Ungewöhnliches; wäre der Zuhörer nicht Journalist und würde die Erzählerin nicht hinter hervorgehaltener Hand für den Tod ihres Geliebten Gatten verantwortlich gemacht werden. Darum erzählt Sara Adelman auch ganz genau, wie der Liebens- und Leidensweg mit ihrem Lebenspartner vonstattengegangen ist. Vom ersten Treffen in einer schummrigen Bar über das erste gemeinsame Kind, das unerwarteterweise mit einer Behinderung zur Welt kommt, hin zu der Langeweile, die einen nach etlichen Jahren Ehe zu überrollen drohen, beschreibt sie dem unerfahrenen Schreiberling ihr gegenüber, wie alles so weit kommen konnte, wie es heute ist.

Die Erzählungen werden dabei mit Flashbacks illustriert – so erhält der Film schon fast biografischen Charakter und dem Zuschauer wird ein persönlicher Einblick in das Leben des illustren Ehepaars gewährt. Das war nämlich ziemlich turbulent: Nach Startschwierigkeiten zu Beginn der Beziehung leidet das Paar (brillant gespielt von Doria Tillier und Nicolas Bedos) zunächst unter dem ausbleibenden Erfolg von Victor als Schriftsteller, später dann unter der Blitz-Karriere des Schönlings. Und während es Victor zunehmend nicht so genau nimmt mit der Treue, leidet Sara darunter, im Schatten ihres Gatten zu stehen. Schlussendlich schaffen es die beiden aber immer wieder irgendwie, sich zusammenzuraufen – bis zum Tod von Victor. Monsieur & Madame Adelman mag zwar nicht das Leben eines 0815-Paares porträtieren, spricht aber trotzdem ganz konkrete Beziehungsprobleme an, die wohl jeder schon einmal in dieser oder einer ähnlichen Form erlebt hat.

Vor allem schafft es Nicolas Bedos, ein sehr realistisches Bild einer Langzeitbeziehung zu zeichnen: Eine wilde Ehe mit Höhen und Tiefen. Gemischt mit dieser erfrischenden Ehrlichkeit wird dann auch noch eine Portion Humor, was die Dramakomödie zu einer würdigen Vertreterin ihres Genres macht. Einen beeindruckenden Job haben auch die Maskenbilder abgeliefert, die die zwei Protagonisten in einer Zeitspanne von rund 40 Jahren jünger- oder älter aussehen lassen mussten. Die chronologische Erzählweise von Sara in der Gegenwart erlaubt es, die Schauspieler stetig älter aussehen zu lassen, damit man dies als Zuschauer praktisch nicht wahrnimmt. Monsieur & Madame Adelman nimmt den Kinobesucher auf diese Weise mit auf eine berührende Reise in die Vergangenheit, die schlussendlich in einem fulminanten Finale in der Gegenwart gipfelt – und zeigt, dass das Leben eben nie so geradlinig ist, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.

30.05.2017

4

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Kommentare

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dinki17

vor 2 Jahren

Obwohl Drama , gleichzeitig auch Komödie. Unerwartetes Ende. Überzeugend gespielt, aber am Schluss etwas sehr langatmig.


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