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Emma - Die geheimen Farben der Liebe Italien, Schweiz 2017 – 116min.

Emma - Die geheimen Farben der Liebe

Filmkritik

Liebe macht blind

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Die Begegnung mit der blinden Emma ändert das Leben des selbstverliebten Frauenhelden Teo. Emma erzählt eine unkonventionelle, feinsinnige Liebesgeschichte, die ganz ohne Kitsch und Pathos auskommt.

Tagsüber ein Kreativer in einer Werbeagentur, nachts ein egozentrischer Womanizer: Teo (Adriano Giannini) ist ein Mann, der ein Leben ohne Verpflichtungen führt. Als er eines Tages jedoch Emma (Valeria Golino) kennenlernt weiss er schon nach kurzer Zeit, dass sie etwas ganz Besonderes ist. Und das nicht nur, weil die Osteopathin seit ihrem 16. Lebensjahr blind ist. Sie ist intelligent und enorm einfühlsam. Auch Emma, die seit kurzem geschieden ist, mag Teo. Doch haben diese beiden so unterschiedlichen Charaktere wirklich eine gemeinsame Zukunft?

Emma ist der zwölfte Spielfilm des italienisch-schweizerischen Regisseurs Silvio Soldini. Seinen Durchbruch feierte er 2000 mit der Komödie Pane e tulipani, die mit Preisen überhäuft wurde. Die weibliche Hauptrolle in Emma spielt Valeria Golino, die in den 80er- und 90er-Jahren auch in Hollywood für Furore sorgte. Sie war unter anderem in Hits wie Rain Main oder Hot Shots zu sehen.

Soldinis erster Film seit 2012 lebt von der Unterschiedlichkeit der beiden Hauptfiguren, die dafür sorgt, dass die Beziehung zwischen Teo und Emma von Beginn an eigentlich zum Scheitern verurteilt ist. Sie – die ausgeglichene, emotionale Menschenkennerin, die trotz ihrer Behinderung stets mit sich im Reinen ist. Sie ist umgeben von Dunkelheit, Aspekte wie Optik oder das Aussehen eines Menschen haben für sie keine Bedeutung. Valeria Golino spielt die erblindete Frau mit viel Feingefühl.

Er – der oberflächliche Fraueneroberer, der schon aus beruflichen Gründen in seiner Agentur mit Dingen zu tun hat, die für Emma unwichtig sind: Design, Bilder und Farben. Diese Gegensätze im Wesen und in den Einstellungen der beiden Charaktere machen einen grossen Reiz des Films aus. Spannend ist es, sie dabei zu beobachten, wie sie sich trotz aller Hindernisse und Diskrepanz einander immer weiter annähern. Die Chemie zwischen Giannini und Golino stimmt. Zudem nimmt man ihren Figuren jederzeit die Leidenschaft sowie die starken Gefühle füreinander, aber genauso ihre Ängste und Unsicherheiten ab.

Und gerade Teo ist, wie man später noch erfahren wird, von diesen inneren Qualen durchzogen. Die Gründe dafür liegen teils lange zurück. Hinter Teos harter, gelackter Macho-Schale lauert ein weicher Kern. Er ist es auch, der im Film die überraschendste, beachtlichste Entwicklung durchmacht. Dass dies jedoch noch keine Garantie für das Gelingen einer Liebesbeziehung ist, ist eine der Kernbotschaften von Emma. Positiv ist auch, dass das Ende weit weg ist vom sonst üblichen Kitsch inhaltlich ähnlich gelagerter Filme.

20.04.2018

4

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Kommentare

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selinaburri

vor 2 Monaten

unterhaltsam. Für mich etwas zu viele Klischees!


Yvo Wueest

vor 3 Monaten

Während der erste Teil dieser romantisch ausgelegten Geschichte einer Geduldsprobe glich; steigert sich der Film in der zweiten Hälfte: unter dem Einfluss und der Entschiedenheit der selbstbewussten blinden Emma, entdeckt der Marketing-Fuzzi Teo den Genuss unprätentiöser Sinnlichkeit und den Wert gelebter Nähe.
Auch wenn den Figuren den in früheren Filmen Soldinis ("Pane e tulipane") sichtbare Charme weitgehend fehlt, zeigt der Film gut auf, mit welchen Herausforderungen Sehbeeinträchtigte in der modernen Welt konfrontiert sind.Mehr anzeigen


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