Grace Jones: Bloodlight and Bami Irland, Grossbritannien 2017 – 115min.

Grace Jones: Bloodlight and Bami

Filmkritik

Pop-Ikone Grace Jones – zwischen „Bloodlight“ und „Bami“

Leslie Leuenberger
Filmkritik: Leslie Leuenberger

Sie steht alleine auf der Bühne, umgeben von tiefer Dunkelheit. Eine goldene Maske in Form eines Totenschädels verdeckt ihr Gesicht, ein übergrosser Mantel umhüllt den gestählten Körper. Sie singt und bewegt sich als wäre sie in Trance. Die raue Stimme – unverkennbar. "Ladies and Gentlemen, Miss Grace Jones!" Als stamme sie von einem anderen Planeten. Androgyn, exzentrisch, sinnlich und gleichzeitig bedrohend, wunderschön und faszinierend – kaum eine Künstlerin hat eine solche Präsenz wie sie. Im Mai dieses Jahres wird Grace Jones 70.

Regisseurin Sophie Fiennes begleitete die Ikone während zehn Jahren. Grace Jones: Bloodlight and Bami ist kein Biopic im klassischen Sinne, sondern vielmehr eine Aneinanderreihung von Momentaufnahmen. Fiennes verzichtet bewusst auf Archivmaterial, Off-Kommentare und Talking Heads. Es spricht nur eine: Grace Jones.

Der Film zeigt die zwei kontrastreichen Welten der Ikone: „Bloodlight“, das rote Licht, das im Studio während einer Aufnahme leuchtet, steht für die Show-Persona von Grace Jones. Die kühle Diva auf der Bühne, die knallharte Geschäftsfrau im Tonstudio, die Geschichtenerzählerin im Kreise ihrer Entourage. Sie scherzt, lacht, flirtet. Und dann flippt sie aus, schreit ins Telefon, entschuldigt sich zwei Sekunden später und nippt genüsslich an ihrem Weissweinglas. Diese Frau lässt sich von niemandem was sagen. Dafür bewundert man sie.

„Bami“, so nennt sich eine jamaikanische Brotsorte, steht für die andere Welt: In Jamaica hat Grace Jones ihre Wurzeln, ihre Familie. Am Flughafen umarmt sie ihre Mutter innig. Plötzlich erleben wir eine nahbare Grace Jones, ihre Stimme ist weicher, sie wirkt ruhig und gelassen. Ungeschminkt und in einem einfachen Sommerkleid sitzt sie mit ihrer Mutter in der schmuddeligen Küche. Immer wieder kommt das Gespräch zurück auf Master P., den streng gläubigen Stief-Grossvater, der Jones und ihre Geschwister regelmässig geschlagen hat. „Auf der Bühne imitiere ich ihn. Ich verwandle mich in diese maskuline, angsteinflössende Person.“

Grace Jones: Bloodlight and Bami ist der Versuch, hinter die Maske einer Kunstfigur zu blicken. Fiennes ist es gelungen, eine intime Atmosphäre zu schaffen und der scheinbar unnahbaren Diva ein Stück weit näher zu kommen. Nicht zu vergessen ist, dass Grace Jones eine Meisterin der Selbstinszenierung ist. Leider halten sich viele der Passagen an Banalitäten fest, wirken beiläufig und ziehen den Film unnötig in die Länge. Der Verzicht auf eine klare Erzählstruktur sorgt oftmals für Verwirrung. Fazit: Ein originelles Porträt einer schillernden Persönlichkeit – zufriedenstellend, aber kein Meisterwerk.

05.02.2018

3

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Kommentare

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willhart

Toll gemacht - Grace heute - trotzdem fehltenm mir die Rückblicke in die Pariser Zeit, das Bondgirl. Hätte das Porträt super abgerundet. Sehensewert

Grace Jones: Bloodlight and Bami 4

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