Es war einmal in Deutschland... Belgien, Deutschland, Luxemburg 2017 – 102min.

Es war einmal in Deutschland...

Filmkritik

Im Land der Feinde

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Deutschland 1946: mit seinen jüdischen Freunden plant Verkäufer David den Neustart. Mit dem Verkauf von Wäscheartikeln, ausgerechnet im Land der Täter. „Es war einmal…“ überzeugt mit lakonischem, bittersüßem Humor und guten Darstellern. Bei der Ausgestaltung der Charaktere wäre aber mehr möglich gewesen. David Berman (Moritz Bleibtreu) und seine Freunde sind knapp den Gaskammern. In Frankfurt plant David mit der Wiedereröffnung des familiären Wäschegeschäfts nun einen Neuanfang. Mit Humor und Dreistigkeit umgeht er die bürokratischen Hürden und eröffnet den Laden. Fortan verkauft er mit tatkräftiger (und trickreicher) Unterstützung seiner Freunde, deutschen Hausfrauen Wäscheartikel. Denn Geld wird dringend gebraucht, um die geplante Ausreise zu finanzieren. Alles läuft gut, bis die US-Offizierin Sara (Antje Traue) beginnt, Fragen zu Davids Vergangenheit zu stellen.Es war einmal in Deutschland wurde vom belgischen Filmemacher Sam Garbarski inszeniert. Einem internationalen Publikum wurde er 2007 mit der Tragikomödie Irina Palm bekannt. Seine Premiere erlebte der Film vergangenes Jahr auf der Berlinale – gedreht wurde er im Frühjahr 2016 in Deutschland und Luxemburg.Es war einmal… widmet sich einem filmisch bisher sträflich vernachlässigten Thema. Rund 4000 Juden, ehemalige KZ-Überlebende, reisten nach dem Holocaust ins Land der Feinde. Die meisten schlugen sich irgendwie durch, um an Geld für die Ausreise nach Palästina zu kommen. Natürlich handelt es sich bei diesem Film nicht um eine historisch akkurate Schilderung wahrer Ereignisse. Zwar basiert er auf Michael Bergmanns Tatsachenroman „Die Teilacher“, in dem es um das Leben von Frankfurter Juden in der Nachkriegszeit geht. Regisseur Garbarski verwandelt diesen Ansatz aber in einen teils sehr bissigen, mit lakonischem Humor angereicherten Film mit fiktionaler Handlung. Dabei gelingt ihm die Gratwanderung zwischen derben, trockenen Sprüchen und immer wieder aufblitzenden tragischen Momenten größtenteils sehr gut. Denn die Juden nutzen ihre schlimmen Erlebnisse für eine zwar aus der Not geborenen, aber doch sehr erfolgreichen Hochstaplerei. Für den Zuschauer ist dies mitunter höchst amüsant, da die den Hausfrauen aufgetischten, amüsanten Flunkereien für reichlich Schmunzeln sorgen. Ein bittersüßes Schmunzeln, denn im Humor des Films liegen freilich Leid und Schmerz. Mit dem aufkommenden Handlungsstrang der zunehmenden Befragungen durch die Offizierin, kommt zudem Spannung auf. Ist David wirklich der, der er vorgibt zu sein?Abzüge gibt es jedoch bei den oft zu künstlich wirkenden Kulissen und Schauplätzen, denen es an Authentizität fehlt. Und schade ist zudem, dass sich Gabarski zu sehr auf die Hauptfigur konzentriert. Dadurch vernachlässigt er die anderen Charaktere, die ebenfalls reichlich Potenzial zur weiteren erzählerischen Ausgestaltung gehabt hätten.

12.06.2017

3

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Kommentare

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sum21

Ein sehr gefühlsvoller Film, der aufzeigt, wie schwer es die überlebenden Juden hatten, eine Arbeit zu finden ,und sich trotz US Besetzung sich niederzulassen.
Daneben wird ein Jude unschuldig verdächtig mit den Nazis kollaboriert zu haben, und ein anderer SS Mann wird nicht einmal zur Verantwortung gezogen, und kann sein Kiosk betreiben, bis er dann verbrannt wird.

Es war einmal in Deutschland... 5

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