Unsere Erde 2 Grossbritannien 2017 – 95min.

Unsere Erde 2

Filmkritik

Nur ein Tag

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Zehn Jahre nach dem erfolgreichen Erstling präsentiert BBC Earth Films den zweiten Teil. Da man bei dieser Firma nicht verpflichtet ist, Jahr für Jahr ein neues Produkt herauszubringen, sucht man nach den besonderen Stoffen. Einen wie Earth: One Amazing Day, der im All beginnt und den kleinen blauen Planeten im Schein der Sonne zeigt.

Die Sonne ist es, die das Leben erhält. Sie gibt den Rhythmus vor, dem auch dieser Film folgt. Von frühmorgens über den Vormittag, die Mittagszeit, den Spätnachmittag, den Abend und schließlich die Nacht. Für viele Spezies beginnt der Tag mit dem ersten Sonnenstrahl, so wie für die Leguane auf Galapagos oder die Zebras in der Steppe, andere ruhen am heißen Mittag wie die Löwen, während die hellköpfigen Schwarzlanguren vor Einbruch der Nacht in ihre sicheren Höhlen gehen und die Räuber der Nacht hervorkommen. Nur ein Tag, der aber perfekter nicht sein könnte.

Auf allen Kontinenten gedreht, ist Earth: One Amazing Day ein Film von geradezu magischer Schönheit, der die Möglichkeiten dessen, was bei einer Naturdokumentation möglich ist, nicht nur ausreizt, sondern erweitert. Hier wurde nicht wie früher mit einer Kamerafalle – einer Kamera in einer Box, die durch Bewegungssensoren ausgelöst wird und dann filmt –, sondern gleich mit zehn gearbeitet, so dass man aus einer Vielzahl von Perspektiven wählen konnte. Das erlaubt es, an scheue, aber auch gefährliche Tiere auf eine Weise heranzukommen, die nicht möglich wäre, wenn ein Mensch die Kamera bedienen müsste.

So entstanden Sequenzen, die von einer echten Dramaturgie getragen sind. Denn die kleinen und großen Geschichten des Lebens, die immer auch von der Suche nach Nahrung und dem Kampf ums Überleben bestimmt sind, werden hier so dargeboten, als seien die Tiere nicht einfach nur in wilder Natur aufgenommen worden, sondern Schauspieler ihrer eigenen Geschichten. Das gilt für die neugeborenen Leguane, die wie in einem Horrorfilm vor den vielen nahenden Schlangen fliehen, ebenso wie für den Kolibri, der sich bei der Nahrungssuche im Konflikt mit Bienen befindet, oder die Pinguine, die Tag für Tag größte Mühsal auf sich nehmen, um ihren Nachwuchs zu versorgen.

Das Ergebnis ist erhebend. Eine Naturdokumentation, die mit ihrer Pracht und Schönheit die Augen übergehen lässt und daran erinnert, wie schön unser Zuhause eigentlich ist. Wo der Vorgängerfilm noch den Zyklus eines Jahres abdeckte, ist es hier nur ein Tag, aber einer, der exemplarisch ist und aus allen Ecken und Enden dieser Welt berichtet – mit Bildern, die man so schnell nicht wieder vergisst.

05.04.2018

4

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Kommentare

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theboch

vor einem Monat

Mal wieder ein Referenzfilm in Sachen Naturdoku. Sicher auch ein Pflichtkauf für den 4K Bluray-Player zuhause! 👍


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