CH.FILM

The Other Half of the Sky: Stories of Chinese Businesswomen Schweiz 2016 – 80min.

The Other Half of the Sky: Stories of Chinese Businesswomen

Filmkritik

Chinesische Self-Made-Women erobern die Wirtschaftswelt

Filmkritik: Zurich Film Festival

Der Dokumentarfilm The Other Half of the Sky von Patrik Soergel gibt einen eindrücklichen Einblick in die Denkweise von vier erfolgreichen Geschäftsfrauen in China, die sich aus dem Nichts ein gewaltiges Imperium aufgebaut haben. Im Zentrum des Films stehen diese vier Frauen, welche heute alle eine Führungsposition innehaben und zu den bedeutendsten Business-Frauen Chinas zählen. Sie waren in unprivilegierten Verhältnissen in der Armut der 1970er Jahre aufgewachsen, deren Generation später vom chinesischen Wirtschaftsboom profitierte und sich dadurch in einer patriarchalen Gesellschaft systematisch von ganz unten nach ganz oben arbeiten konnten.

Da ist einmal Zhang Lan, die es wie in einem American Dream von der Tellerwäscherin zur Inhaberin einer riesigen Luxus-Restaurant-Kette schaffte. Don Mingzhu ist heute CEO der weltweit grössten Klimaanlage-Fabrik, wo sie vorher nur eine einfache Angestellte war. Zhou Yi schaffte den Sprung vom Studium der Englischen Literatur und Shakespeare zur Top Managerin einer internationalen IT-Firma. Und da ist noch Yang Lan, die als hübsche Moderatorin im Fernsehen angefangen hatte, aber bald einsah, dass dies sie nicht weiterbringen würde und daher in den USA studierte und nach ihrer Rückkehr einen mächtigen privaten TV-Sender gründete.

Der Film zeigt in eindrücklichen Bildern, wie sich diese Frauen ihre Karrieren erarbeitet haben und setzt das Sprichwort "ohne Fleiss kein Preis" visuell um. Der Film zeigt daher auch, womit die Frauen für ihren Erfolg bezahlen. Don hat seit 20 Jahren keine Ferien bezogen. Wohlgemerkt, Ferien sind in China freiwillig. Sie sagt auch weiter, dass sie in ihrer Position kein Privatleben mehr hat, da sich alles nur um das Geschäft dreht. Da kann man sich gut vorstellen, dass die Familie auf der Strecke bleibt. Zhang Lan zum Beispiel hat ihr kleines Kind während Jahren nicht gesehen, da sie in Kanada Geld verdienen war um sich eine Zukunft aufbauen zu können. Familie oder Karriere? Eine Frage, die sich Frauen offenbar kulturunabhängig auf der ganzen Welt stellen.

Der Film thematisiert weiter den sozialen und wirtschaftlichen Kontext und stellt auch eine Reflektion anhand der Geschichten der Frauen des heutigen Chinas dar. Durch die Erzählung der einzelnen Frauen wird die grosse Veränderung beschrieben, die China durchmachte und anschaulich gezeigt, wie das Land in einem Jahrzehnt zu einer der grössten Weltmächte herangewachsen ist. Die Businessfrauen haben diese Veränderung nicht nur miterlebt, sie haben sie massgeblich beeinflusst. Diese Frauen kreierten eigenhändig ihren Erfolg und haben sich ihre Karrieren mit eisernem Willen aufgebaut, wodurch sie sozusagen zum Symbol für Veränderung geworden sind.

Die Kamera fängt sehr eindrücklich die Geschichten der einzelnen Frauen ein und stellt sie stellvertretend für eine Generation Chinas mit tragischem Hintergrund vor. Die Voice-Overs und persönlichen Interviews der Frauen lassen ihre Lebensgeschichte noch näher rücken. Zu Tränen rührte vor allem die Geschichte von Zhou Li, deren Vater jahrelang in einem Arbeitslager ausharren musste. Bei einem Dokumentarfilm stellt sich auch immer die Frage nach dem Realitätsanspruch. Zum Beispiel kann man sich fragen, ob sich ein CEO wirklich für jeden einzelnen Arbeiter am Laufband in der Fabrik interessiert oder ob diese Bilder für den Film nur inszeniert waren. Mit Don Mingzhus Lebensgeschichte nimmt man es ihr jedoch sofort ab, dass sie zum Wohle der ganzen Firma handeln möchte. Eine rundum gelungene Dokumentation zu einem aktuellen Thema, das in einem weiteren Rahmen heute auch jede berufstätige Frau beschäftigt und dies weltweit.

Janine Heini

03.10.2016

5

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