Live by Night USA 2016 – 129min.

Filmkritik

In der Hitze des Südens

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Mit seiner vierten Regie-Arbeit nach eigenem Drehbuch setzt Ben Affleck erneut die Adaption eines Dennis-Lehane-Romans um. Lehane selbst war sich nicht sicher, ob Affleck mit seiner Starpräsenz der richtige Mann für die Hauptrolle war, aber der Schauspieler überzeugte ihn, indem er einen Screentest absolvierte.

Es ist die Zeit der Prohibition: Joe Coughlin (Ben Affleck) sieht sich nicht als Gangster, sondern als Outlaw, der niemandes Regeln folgen will. Doch das führt ihn direkt ins Gefängnis und zu der Erkenntnis, dass er für seine Rache an einem irischen Gangsterboss, der seine große Liebe auf dem Gewissen hat, Hilfe benötigen wird. So dient er sich der italienischen Mafia an und übernimmt das Geschäft in Tampa, Florida. Dort hat er es nicht nur mit der Konkurrenz und korrupten Cops, sondern auch mit dem Ku Klux Klan zu tun. Aber Coughlin ist kein Mann, der große Träume einfach aufgibt.

Live by Night ist nicht Afflecks bester Film, aber er ist immer noch gut. Das Problem, das hier hauptsächlich besteht, ist, dass die Übertragung vom Roman zum Film nicht gänzlich geglückt ist. Man merkt dem Film an, dass er fast vor Ehrfurcht vor dem Quellmaterial erstarrt. Man hätte hier noch etwas mehr schleifen müssen, aber das, was geboten ist, ist immer noch gut genug, um das Interesse des Zuschauers über gut zwei Stunden zu halten.

Weil Affleck als Regisseur weit besser ist. Er holt aus seinen Darstellern große Leistungen heraus. Das gilt allen voran für Elle Fanning, aber auch für gestandene Mimen wie Chris Cooper oder Brendan Gleeson. Inszenatorisch ist Affleck voll auf der Höhe. Er hat das Material im Griff, sowohl bei den ruhigen, als auch bei den bedrohlichen Szenen, und erst recht, wenn die Action in den Vordergrund rückt. Die Autoverfolgungsjagd oder auch der finale Shootout sind grandios in Szene gesetzt. Hier ist der Film energisch, mitreißend und voller Dynamik.

In vielerlei Hinsicht ist Affleck wie Clint Eastwood. Beide sind Schauspieler mit limitierten Möglichkeiten, aber brillante Regisseure. Der Unterschied ist vielleicht der, dass Eastwood sich immer sehr bewusst war, in welchen Rollen er sich selbst besetzte. Bei Affleck trifft die Ambition nicht ganz die Möglichkeit, denn für die Rolle des Joe Coughlin ist er etwas zu schön, etwas zu sauber, einfach etwas zu gut. Es fehlt die Hintergründigkeit, aber auch die dunkle Seite, die diese Figur ausmacht.

Alles in allem ist Live by Night trotz mancher Defizite ein interessanter und sehr schön gestalteter Film, der zwar nicht Afflecks beste Arbeit darstellt, aber so gut ist, dass das durchaus Jammern auf hohem Niveau ist.

15.02.2017

4

Dein Film-Rating

Kommentare

Sie müssen sich zuerst einloggen um Kommentare zu verfassen.

Login & Registrierung

seeyouto

vor 3 Jahren

Hat mir auch sehr gefallen, ein ästhetischer Gangsterfilm......alles rund, ein schönes Ende........


zuckerwättli

vor 3 Jahren

Sehr stylischer und cooler Gangsterfilm in dessen Welt mal schön tief abtauchen kann.


Mehr Filmkritiken

The Gentlemen

Sonic the Hedgehog

Platzspitzbaby

Der Unsichtbare