Everybody Wants Some!! USA 2016 – 117min.

Everybody Wants Some!!

Filmkritik

Sportskanonen unter einem Dach

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Mit Everybody Wants Some!! kehrt Richard Linklater zu seinen Wurzeln zurück. Es ist kein Sequel zu seinem Erfolgsfilm Dazed and Confused, aber eine Art thematische Fortführung. Wo er dort jedoch in die Kultur der 1970er Jahre eintauchte und sie sehr generalisiert darstellte, konzentriert er sich hier auf drei Tage im Spätsommer des Jahres 1980, das sich – natürlich – immer noch wie die 1970er anfühlt.

Drei Tage vor Studienbeginn kommt Jake (Blake Jenner) in ein Athletenhaus – hier sitzen alle seine Kameraden des Baseball-Teams, altgediente ebenso wie Neueinsteiger. Sie alle müssen sich erst kennen lernen, wofür nichts besser geeignet ist, als die letzten Tage vor Schulbeginn mit Partys zu verbringen, zu trinken, zu kiffen und zu versuchen, Frauen aufzureißen, während sich jeder von ihnen darüber klar werden muss, dass er an der High School der beste Spieler war, hier aber nur einer von vielen ist. Jake hat dabei ein Auge auf Beverly (Zoey Deutch) geworfen, die so ganz anders ist als er.

Es ist ein sehr konzentrierter Film, den Linklater hier abliefert. Weniger, was die Geschichte als vielmehr die Figuren betrifft, denn was er hier bietet, ist im Grunde eine Charakterstudie, bei der er sehr unterschiedliche Typen aufeinanderprallen lässt, die eines aber gemein haben: Sie sind alle sehr wettbewerbsorientierte Männer, die sich ständig im Wettstreit mit allen anderen befinden. Das nutzt Linklater, um das Porträt von Sportskanonen zu zeichnen, die – so will es das Klischee nun mal – dümmer sind als das Gros der Menschheit. Aber das verkehrt der Autor ins Gegenteil, indem er einen Querschnitt bietet und zeigt, dass sich auch unter dieser Gruppe von Studenten ganz unterschiedliche Charaktere finden.

Letzten Endes passiert in Everybody Wants Some!! so gut wie gar nichts. Dennoch ist man interessiert, weil Linklater in der Lage ist, lebendige, authentische Figuren zu erschaffen, die von handverlesenen, sehr guten Darstellern gespielt werden. Man wird sofort in diesen Film hineingezogen – es ist das echte Leben, das hier brodelt. Der Spaß kommt daher, dass der Humor nicht überzogen, sondern glaubwürdig ist, und man es genießt, diesen Figuren zuzusehen, wie sie ihr normales Leben bestreiten und dabei einen Streifzug durch alles machen, was die frühen 1980er Jahre ausgemacht haben.

Von Nostalgie getragen, erinnert Everybody Wants Some!! auch an die College-Komödien jener Ära. Technisch exzellent gemacht, wirkt das Ganze auch, als wäre es damals entstanden. Die Haare, die Klamotten, die Musik, selbst die Art der Inszenierung – das alles beschwört eine Zeit herauf, die längst vorbei ist, die man hier aber noch einmal erleben kann.

15.06.2016

4

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Kommentare

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fgswz

vor 3 Jahren

Gut gemacht, unterhaltsam und witzig, aber wahrscheinlich weiss ich morgen nicht mehr worum es ging.


tangy

vor 3 Jahren

Schöner Feel-good-movie. Eine stilvolle Entführung in die 80er Jahre und eine Zeitreise zurück in die umbeschwerte Studi-zeit, einfach nur toll diese Stimmung welche der Film vermittelt.... kann ich empfehlen.


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