Spotlight Kanada, USA 2015 – 128min.

Filmkritik

Das Schweigen wird gebrochen

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Das Skript zu Spotlight fand sich 2013 auf der Blacklist, jener Liste von unproduzierten Drehbüchern, die zu den besten des Jahres gehören. Es ist ein gutes Skript, vor allem dann, wenn man den Film darauf konzentriert, dass die Arbeit investigativer Reporter gezeigt werden soll, es hat jedoch auch eine bedeutsame Schwachstelle. Der emotionale Gehalt ist niedrig.

Der neue Chefredakteur des Boston Globe fordert die investigative Truppe der Abteilung Spotlight auf, sich mit einem Fall zu befassen, der bislang begraben wurde: die Taten eines pädophilen Priesters. Aber als Robbies (Michael Keaton) Leute loslegen, wird schnell klar, dass bislang nur die Spitze des Eisbergs übersehbar ist. In Boston wurden über Jahrzehnte hinweg sexuelle Übergriffe durch den Klerus unter den Teppich gekehrt, aber einige wenige Journalisten wollen dies nicht länger hinnehmen, auch wenn sie sich dabei mit der Kirche selbst anlegen müssen.

Spotlight ist kein Spannungskino im eigentlichen Sinn. Es gibt keinen Antagonisten, gegen den die Reporter vorgehen müssen. Oder anders gesagt: Die Hürden, die sich ihnen in den Weg stellen, scheinen Teil normaler Tätigkeiten zu sein. Der Konflikt mit jenen, die den Skandal zu vertuschen versuchten, bleibt allenfalls angedeutet, kommt aber nie zum Tragen. Das minimiert die Wirkung des Films, die letztlich nur noch daraus besteht, die minutiöse Arbeit von Journalisten zu zeigen. Das wird nüchtern und kühl dargestellt, nicht unähnlich David Finchers Zodiac, der ebenfalls weitestgehend auf Spannungsbildung verzichtet hat.

Leider fehlt aber auch der gerechte Furor, der gerade bei einem Thema wie diesem zum Tragen kommen sollte. Es ist die mangelnde Emotionalität, wegen derer man vom Film distanziert ist. Nur in einer Szene kocht Emotion hoch, wenn Mark Ruffalo zum Schluss hin einen verbalen Schlagabtausch mit Michael Keaton hat. Momente wie diese hätte man sich häufiger gewünscht.

Spotlight gefällt vor allem auch, weil das Ensemble so exzellent zusammengestellt ist. Die Schauspieler haben sich an den realen Vorbildern orientiert, sie funktionieren aber auch im Zusammenspiel extrem gut und feuern einander an. Ihnen zuzuschauen, ist die eigentliche Freude dieses Films mit doch recht schwerem Thema. Am bedrückendsten ist aber sicherlich der Text am Ende des Films, der auf mehreren Tafeln die weltweiten Orte nennt, an denen ähnliche Skandale mit pädophilen Priestern – und der versuchten Vertuschung – stattgefunden haben.

Ein zwiespältiger, an seiner Unterkühltheit leidender, aber seiner schauspielerischen Leistungen wegen doch sehr sehenswerter Film.

14.03.2016

3

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Kommentare

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Janissli

vor 2 Jahren

Zwar handelt der Film von einem sehr düsteren Thema, doch leider ist die Umsetzung ziemlich langatmig und langweilig. Die guten Schauspieler konnten die etwas öde Geschichte nicht wett machen. War ziemlich enttäuscht, hätte mehr erwartet von einem Oskar-Nominierten Film.


Schlosstaube

vor 3 Jahren

Tragische Geschichte...aber mehr ein DOK-Film und nichts zur Unterhaltung !


Barbarum

vor 4 Jahren

Die Fakten sprechen für sich, deswegen braucht "Spotlight", getreu "All the President's Men", nicht künstlich für Dramatik zu sorgen. Die nüchterne journalistische Arbeit birgt in diesem Fall Spannung genug und das herrvorragend harmonierende Schaupsielensemble tut sein Übriges.


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