Petting Zoo Deutschland, Griechenland, USA 2015 – 93min.

Petting Zoo

Filmkritik

Dem Bauchgefühl vertrauen

Urs Arnold
Filmkritik: Urs Arnold

Ein Stipendium bedeutet für Layla die Chance ihres Lebens. Dann aber wird sie schwanger. Wie nun weiter?

Bitten die Hormone zum Tanz, haben Teenager die Schritte erst einmal zu lernen. Viele bilden ihre ersten Duette und werden eins in Schwung und Intimität. So tun es auch Layla (Devon Keller) und Danny (Kiowa Tucker).

Doch kurz nach dem von ihr geflüsterten «I love you» trennen sich die beiden. Man spürt: Es ist zum Guten. Danny versifft sein Leben, während Layla als Klassenbeste einer vielversprechenden Zukunft entgegensieht. Ihr wurde eines der so begehrten Stipendien für die Uni in Austin zugesprochen. Der Fahrschein aus dem perspektivenlosen Dasein im Prekariat.

Doch Layla ist von Danny schwanger. Sie will abtreiben, die Lebenschance einem Leben vorziehen. Ihre Eltern halten dagegen, aber es ist die Frömmigkeit der Grossmutter, die Layla umschwenken lässt. Mit Aaron lernt sie zudem einen tollen Typen kennen: All-American-Looks, eine aufrichtige Haut. Vielleicht auch Vater-Material.

Petting Zoo ist im texanischen San Antonio angesiedelt, einer dieser gesichtslosen, flauen Städte der USA. Nicht so für Micah Magee. Die heute in Dänemark lebende Regisseurin wuchs dort auf und stellte den Ort für ihren Debütfilm ins Zentrum. Auch sie wurde sehr jung schon schwanger, wie so viele: San Antonio wies 2011 die zweithöchste Rate an schwangeren Teenager aller amerikanischen Städte auf. In vielen texanischen Schulen wird Enthaltsamkeit als einzige Geburtenkontrolle gepredigt. Es sind Töne, denen die Hormone bekanntlich nur ungern lauschen.

Von anklägerischen Botschaften sieht dieser Film indes ab. Micah Magee richtet ihn darauf aus, die Hauptfigur in dokumentarischer und wertungsfreier Manier ein stückweit zu begleiten. Das Mädchen schürt des Zuschauers Interesse nur schon mit seiner sprunghaften Ambivalenz. In einem Moment scheint diese Layla reifer als ihr gesamtes Umfeld zu sein, pragmatischer als jeder erwachsene Mensch. Im nächsten ist sie so unsicher und gespalten wie ihre Altersgenossinnen.

Die Zukunft tastet sich in diesem Film so unbestimmbar heran, wie die Gegenwart sich gibt. Kein einziges Handy ist hier zu sehen, dafür alte Pickups und VW Käfer – diese Episode eines Teenagerdaseins ist zeitlos, weil es die Sorgen und Freuden dieses Lebensabschnittes eben auch sind.

Petting Zoo ist für einen Spielfilm aussergewöhnlich authentisch, er schweigt bisweilen lieber, als künstlich zu dramatisieren. Magee platziert in ihrem Film keinen einzigen synthetischen Kniff, lässt dafür aber einen lebensnahen Optimismus mitschwingen. Für die Figuren besetzte sie klugerweise Laiendarsteller. Devon Keller, die mit grossem Talent agiert, geht nun aufs College und kellnert in einem Steakhouse – in San Antonio.

23.05.2016

4

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