Money Monster USA 2016 – 100min.

Filmkritik

Außer Kontrolle

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Der Wahnsinn des globalen Finanzmarktes hat in den letzten Jahren diverse Filmemacher zu einer kritischen Bestandsaufnahme veranlasst. Auf J.C. Chandors Margin Call, Martin Scorseses The Wolf of Wall Street und Adam McKays The Big Short folgt nun die von Jodie Foster inszenierte, kürzlich in Cannes präsentierte Thriller-Satire Money Monster, in der die beiden Hollywood-Superstars George Clooney und Julia Roberts Seite an Seite agieren.

Wenn Lee Gates (George Clooney) vor die Kamera tritt, kann er sich der Aufmerksamkeit seines Publikums sicher sein. Als Moderator der Fernsehsendung "Money Monster" nimmt der schlagfertige und selbstverliebte Börsenexperte das Wall-Street-Geschehen auf betont spielerische Weise unter die Lupe und animiert seine Zuschauer, in angeblich vielversprechende Aktien zu investieren. Als der Kurs des von ihm angepriesenen Hochfrequenzhändlers IBIS in den Keller rauscht, stürmt der finanziell ruinierte Lastwagenfahrer Kyle Budwell (Jack O'Connell), bewaffnet mit einer Pistole und einer Sprengstoffweste, das TV-Studio und fordert Gates vor laufenden Kameras auf, ihm eine Erklärung für das Desaster zu geben. Im Aufnahmeraum versucht unterdessen Patty Fenn (Julia Roberts), die Regisseurin der Show, die lebensbedrohliche Lage in den Griff zu kriegen.

Der Handlungsabriss lässt einen hochdramatischen Thriller vermuten, den Jodie Foster in ihrer mittlerweile vierten Kinoregiearbeit zumindest teilweise anstrebt. Im beengten Raum des Fernsehstudios gelingen der Hollywood-Schauspielerin einige wirkungsvolle Spannungsmomente, die den Zuschauer vor allem dank einer dynamischen Inszenierung in einen Alarmzustand versetzen. Der Geiselnehmer scheint zu Allem bereit zu sein, was selbst den sonst so unverwüstlichen Gates fürs Erste spürbar aus der Fassung bringt.

Ähnlich wie Martin Scorsese und Adam McKay arbeitet Foster parallel mit satirischen Überspitzungen und komödiantischen Ausbrüchen, die den außer Kontrolle geratenen Börsenapparat und das amoralische Handeln der Finanzjongleure in aller Deutlichkeit anprangern sollen. Bedauerlicherweise geht die Kritik in den meisten Fällen aber nicht über grobe Muster hinaus. Ins Bild passt vor diesem Hintergrund auch die eher bemühte Läuterung des Protagonisten, der plötzlich seine Menschlichkeit und eine aufklärerische Neigung entdeckt. Gedacht war Money Monster wahrscheinlich als bitterböse Abrechnung mit Gier und hemmungsloser Bereicherung. Herausgekommen ist allerdings ein verhältnismäßig leicht konsumierbarer Echtzeit-Genre-Mix, der sich größtenteils mit plakativen Erklärungen zufriedengibt.

15.06.2016

3

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Kommentare

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Ortygiano

vor 2 Jahren

Gute Unterhaltung. Tolle Schauspieler. Gegen Ende zu absehbare Geschichte. Hätte man sicher mehr daraus machen können. Vor allem habe ich mir von Jody Foster als Regisseurin mehr erwartet.


robertg

vor 3 Jahren

Die schauspielerische Leistung ist ganz ok und macht den Film sehenswert. Gegen Ende driftet das Ganze leider etwas ins Lächerliche ab und wirkt dann nicht mehr so glaubwürdig. Schade, da hätte man mehr draus machen können.


Schlosstaube

vor 3 Jahren

Unterhaltsam aber wenig spannend. Clooney überzeugt nicht vom selbstverliebten Gockel zum Gutmenschen. Ebenso wenig der finanziell ruinierte harmlose Amokläufer. Nur Julia Roberts als Regisseurin glänzte.


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