Louder Than Bombs Dänemark, Frankreich, Norwegen, USA 2015 – 103min.

Filmkritik

Louder Than Bombs

Patrick Heidmann
Filmkritik: Patrick Heidmann

Europäische Regisseure, die ihre englischsprachigen Debüts abliefern, waren 2015 der große Trend. Genau wie der Italiener Matteo Garrone mit Das Märchen der Märchen und der Grieche Yorgos Lanthimos mit The Lobster (der es ärgerlicherweise nicht in die Schweizer Kinos geschafft hat) feierte auch der Norweger Joachim Trier mit Louder Than Bombs seine Weltpremiere in Cannes. Ganz so sehr überzeugen wie seine Kollegen konnte er allerdings nicht, zumal wenn man seine vorangegangenen Filme Oslo, 31. August oder Reprise zum Vergleich heranzieht.

Im Zentrum seines teilweise über Rückblenden erzählten Familiendramas steht die weltweit gefeierte Kriegsfotografin Isabelle Leed (Isabelle Huppert). Beziehungsweise tut sie genau das eben nicht, denn auch zwei Jahre nach ihrem tödlichen Verkehrsunfall, der womöglich nicht ganz unfreiwillig war, ist die von ihr hinterlassene Lücke in ihrer Familie riesig. Ehemann Gene (Gabriel Byrne) trägt schwer an dem Geheimnis, das er seinem jüngsten Sohn (Devin Druid) verschwiegen hat, während der sich immer weiter abkapselt und störrisch in eigene Welten flüchtet. Sein älterer Bruder (Jesse Eisenberg) scheint auf den ersten Blick fester auf dem Boden der Realität zu stehen, ist letztlich mit seiner Existenz als frisch gebackener Papa allerdings auch heillos überfordert.

Es lässt sich nicht bestreiten, dass Louder Than Bombs prinzipiell einiges richtig macht, auch jenseits der Trier-typischen Puzzle-Struktur der Erzählung. Die Darsteller sind gut, zumal Trier selbst für kleine Rollen große Namen wie Amy Ryan oder David Strathairn gewinnen konnte. Auch der Kitschfaktor hält sich – bei dieser Thematik alles andere als eine Selbstverständlichkeit – in Grenzen und das Thema Trauerarbeit wird sensibel umgesetzt. Da zeigt sich, dass der Norweger auch in den USA näher an seinen europäischen Wurzeln als an Hollywood ist. Teilweise zumindest, denn insgesamt fällt seine Inszenierung doch oft unerwartet glatt und bisweilen oberflächlich aus; viele Details wirken allzu konstruiert und die kathartischen Momente lauern erkennbar immer schon um die Ecke. Ein paar mehr der Ecken und Kanten, die Hupperts Mutter zur interessantesten Figur des Films machen, hätten Louder Than Bombs gut getan, während die Französin und auch Eisenberg sich wiederum ein von Byrnes stiller Subtilität hätten abschneiden können. So ist es am Ende ein Film, den man gut gucken kann, aber nicht muss.

13.01.2016

3

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