The Boxtrolls USA 2014 – 96min.

The Boxtrolls

Filmkritik

Dreikäsehochs im Untergrund

Filmkritik: Andrea Wildt

Das renommierte Studio Laika bringt mit The Boxtrolls sein drittes 3D-Stop-Motion-Werk in die Kinos. Nach der furchtlosen Coraline und dem übersinnlichen Norman erlebt nun ein Waisenjunge namens Eggs in den schaurigen Dekors des US-amerikanischen Studios phantastischen Abenteuer. Offiziell freigegeben ab sechs Jahren, empfehlen wir den Film Kindern, die sich gerne ein wenig Gruseln.

Nach dem Abspann eröffnet The Boxtrolls erst so richtig das Herz seiner Faszination: Im Zeitraffer sehen wir, wie der Chef-Animator zwei Figuren des Films zum Tanzen bringt. Pointiert wird hier ersichtlich, wie viel Arbeit in nur einer winzigen Szene steckt, die Bild für Bild jede kleinste Veränderung einer Bewegung festhält. Die traditionelle Stop-Motion-Technik kombinierte Laika mit computergenerierten Bildern und erweckte so 190 Puppen in 26 verschiedenen Dekors zum Leben.

Diese Leidenschaft, Ausdauer und Liebe zu den Figuren und ihrer Geschichte spürt man im gesamten Film. Dieser erzählt die Geschichte von Eggs, einem elfjährigen Waisenjungen, der in einem Versteck unter der Erde von Boxtrolls aufgezogen wird. Diese Trolle sind kleine schaurige Wesen, die ihren kleinen Körper mit alten Pappkartons bekleiden. Zusammen mit ihnen zieht Eggs nachts durch die Strassen von Cheesebridge, um in Mülltonnen nach verwertbaren Objekten zu suchen. Aber es lauert Gefahr: Der Bösewicht Archibald Snatcher will die Stadt von den angeblich kinderfressenden Boxtrolls säubern. Als Belohnung erwartet ihn die Aufnahme in die hohe Käsegesellschaft, denn in Cheesebridge wird sozialer Status in Käse aufgerechnet.

Bereits die beiden Vorgänger aus dem Hause Laika - Coraline und ParaNorman überzeugten neben ihrer technischen Perfektion und Liebe zum Detail mit einer aparten Geschichte. Für The Boxtrolls liessen sich die Macher von den reich illustrierten Kinderbüchern des Briten Alan Snow inspirieren, stellten allerdings die Entwicklung von Eggs in den Mittelpunkt. Mithilfe seines Schicksals als Waisenjunge, der herausfinden muss, wo er hingehört, befasst sich der Film unterhaltsam und altersgerecht mit der Frage nach der Bedeutung von Glück und Anerkennung.

Auch so existentielle Kinder-Probleme wie Freundschaft und die Beziehung zum Vater behandelt der Film mit den Trollen als fürsorgliche Ersatzeltern einmal anders und berührend. Die schaurigen, detailreichen Dekors geben dem Ganzen zusätzlich eine sehr eigene visuelle Note, die jedoch zusammen mit den beeindruckenden Körperverformungen und zum Teil sehr verrückten Figuren sensiblen Kindern Angst einjagen können. Unerschrockenen Kinofans hingegen wird dieses Coming-of-Age-Abenteuer, mit seiner mitreissenden Geschichte zwischen Charles Dickens, Roald Dahl und Baron Münchhausen, vor allem Lacher ins Gesicht zaubern. Für ein erwachsenes Publikum ist die Geschichte etwas vorhersehbar, obwohl visuell allemal ein Erlebnis.

17.11.2014

4

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Kommentare

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holiday88

vor 2 Jahren

Gut gemachter Animationsfilm mit einer gewissen Tiefe und liebenswerten Figuren, die man gerne auf ihrem Weg begleitet.


smallsoldier

vor 3 Jahren

Ein weiteres Highlight aus dem Hause Laika. Da freuen wir uns auch schon drauf, was als nächstes kommt. Und wer Coraline und ParaNorman mochte, wird auch die Boxtrolls lieben.
Vier von fünf alten Kartonschachteln


zuckerwättli

vor 3 Jahren

Wunderschön gemacht, einzigartige Story, für manche vielleicht zu schräg.


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