Nebraska USA 2013 – 115min.

Nebraska

Filmkritik

Nebraska

Patrick Heidmann
Filmkritik: Patrick Heidmann

Nach About Schmidt und Sideways schickt der zweifache Oscar-Gewinner Alexander Payne abermals die Kerle auf die langen US-Highways und erzählt dabei gleichermaßen vom so genannten starken Geschlecht wie von regionalen Eigenarten. In diesem Fall jenen seines Titel gebenden Heimatstaates.

Im Zentrum von Nebraska stehen dieses Mal Vater (Bruce Dern) und Sohn (Will Forte). Der Eine wird von der Polizei aufgelesen, als er scheinbar leicht verwirrt an der Straße entlang läuft. Und der Andere, frisch getrennt und auch sonst nicht gerade auf der Überholspur unterwegs, wird genau deswegen von seiner Mutter Kate (June Squibb) um Hilfe gebeten.

Tatsächlich ist Vater Woody aufgrund des Schreibens einer Lotterie-Firma der festen Überzeugung, eine Million Dollar gewonnen zu haben – und will sich den Gewinn zur Not zu Fuß abholen. Sohn David erkennt die Sache zwar gleich als Schwindel. Doch statt ihn aufzuhalten, bietet er lieber an, ihn im Auto mitzunehmen. Und so begeben sich die beiden auf eine wortkarge Reise, deren erstes Ziel ein großes Familientreffen bei Woodys Bruder ist.

Dass er Nebraska, der seine Weltpremiere 2013 in Cannes feierte und nun als aussichtsreicher Oscar-Kandidat gilt, in (sehr sehenswertem) Schwarzweiß gedreht hat, ist für Payne eine Neuerung. Ansonsten aber bleibt der Regisseur sich treu. Männer in der Krise und weite amerikanische Provinzlandschaften sind sein Steckenpferd, dazu mischt sich dieses Mal, ganz unaufdringlich in der Darstellung der heruntergekommenen Arbeiter-Kleinstadt, ein Bild der um sich greifenden Wirtschaftskrise.

Wie immer bei Payne ist das mit sehr viel Witz erzählt, der durchaus ins Boshafte kippen kann, gleichzeitig aber getragen von einer großen Melancholie. Ebenfalls nicht neu ist allerdings auch, dass ihm hin und wieder der Tonfall für kurze Momente verrutscht. Da fragt man sich dann, ob all die vermeintlich einfachen Leute, die Nebraska bevölkern, ihm gerade zu Karikaturen verkommen, auf die er von oben herab blickt. Lange anhalten tut das allerdings nie, zumal die hervorragenden Schauspieler einen über solche Unebenheiten hinweg sehen lassen: Altmeister Bruce Dern spielt hier wohl die Rolle seines Lebens und wird von dem eigentlich als Komiker bekannten Will Forte und Payne-Veteranin Squibb (About Schmidt) ganz meisterlich unterstützt.

14.01.2014

4

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Kommentare

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Barbarum

vor 3 Jahren

Meiner Meinung nach der bisher beste von Alexander Payne. Dank der hervorragend besetzten Darsteller, vor allem des SNL-erprobten Will Forte, schaffte ich es diesmal auch mitzulachen.


Gelöschter Nutzer

vor 5 Jahren

Das ist ein sehr gutes Beispiel dafür: Jung kann einer an seinen Visionen und Träumen arbeiten, wie diese im hohen Alter noch (mit) existieren oder wo diese Fortbestand haben. Natürlich geht es hier auch um die Eltern-Kind-Beziehung, Missverständnisse, das ausbaden Fauxpas, den Weg, der wir allerseits miteinander / nebeneinander seltener / öfter gehen oder einer all Dreck selber wegräumen muss, den andere machen und wir uns darum alle in Vielem ähneln. Menschlichkeit und Sensibilisierung trifft alle. Wir müssen oft nichts weiter tun, nicht kompliziert sein oder zu weit denken, es uns aus nichts machen und können wenig hinterfragenMehr anzeigen


pedro

vor 5 Jahren

Leider zu gewollt und zu konstruiert.


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