Möbius Frankreich 2013 – 103min.

Filmkritik

Gelangweilt zum Orgasmus

Thomas Hunziker
Filmkritik: Thomas Hunziker

Banken sind die neuen Bösewichte. So bekämpfen sich in dem französischen Thriller der russische und der amerikanische Geheimdienst über eine Bank, die kriminelle Instrumente einsetzt, um das Vermögen eines russischen Oligarchen zu waschen. Spannung kommt in der stilvollen Agentenromanze jedoch nicht auf.

Im Auftrag des russischen Geheimdienstes FSB soll Agent Grégory Lioubov (Jean Dujardin) belastendes Material gegen den skrupellosen russischen Oligarchen Ivan Rostovsky (Tim Roth) beschaffen, der von Monaco aus sein Imperium steuert. Die Finanzjongleurin Alice (Cécile De France) wird als Informantin angeheuert. Als er sich ihrer Loyalität nicht mehr sicher ist, trifft sich Grégory mit Alice – und verliebt sich in die attraktive Blonde. Doch neben den Russen ist auch die CIA in die undurchsichtige Affäre verwickelt.

Der Film von Regisseur und Drehbuchautor Eric Rochant hat eigentlich alle Zutaten für einen klassischen Thriller mit verführerischen und packenden Elementen. Ausserdem ist es auch einmal erfrischend, dass nach unzähligen gehetzten Verfolgungsjagden mit James Bond, Jason Bourne oder Ethan Hunt die Schnittfrequenz in Möbius angenehm tief gehalten wird. Doch so elegant und leichtfüssig das Katz-und-Maus-Spiel zwischen FSB und CIA auch inszeniert ist, so unnahbar sind die Figuren, so öde die Handlung und so unglaubwürdig die Inszenierung.

Die mangelnden Identifikationsfiguren sind nicht einmal so erstaunlich. Dass man sich für die kühl berechnende Alice nicht erwärmen kann, liegt in der Anlage der Geschichte. Aber auch der von Jean Dujardin an und für sich charismatisch verkörperte Grégory erzeugt keine Emotionen, und der von Tim Roth mechanisch gespielte Oligarch ist lediglich ein trauriges Klischee eines Bösewichts.

Auch sonst langweilt der Film durch die lieblos erzählte Geschichte und die wenig authentische Inszenierung. Der Beziehung zwischen Grégory und Alice und ihren intensiven Liebesspielen wird bald mehr Raum eingeräumt als den Intrigen der Agenten. Während sich Alice genüsslich zum Orgasmus stöhnt und ihren Liebhaber als Geschenk bezeichnet, flacht die Spannung immer mehr ab. Und während die russischen Agenten zwischendurch russisch sprechen dürfen (ausser sie üben sich gerade in der schwierigen Fremdsprache Französisch), so wird selbst in den Sitzungszimmern der CIA in Langley ausschliesslich Französisch gesprochen. Das ist wohl die Strafe für die kurzlebige Umbenennung von French Fries in Freedom Fries.

So bleibt am Schluss lediglich die Erkenntnis: Agenten lieben leidenschaftlicher. Auch in Frankreich. Und sexuelle Erregung allein reicht nicht für filmische Höhepunkte.

24.07.2013

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Kommentare

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gefuehlsmensch

vor 6 Jahren

schwach. Keine Spannung.


Heptig

vor 7 Jahren

Komplexer hochspannender Thriller. Sehr sehenswert.


lemax

vor 7 Jahren

Fast zu leiser Spionage Thriller.


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