Fruitvale Station USA 2013 – 85min.

Filmkritik

Beherzt gegen das Unrecht

Cornelis Hähnel
Filmkritik: Cornelis Hähnel

Mit Barack Obama haben die USA ihren ersten schwarzen Präsidenten gewählt. Rassismus, so möchte man meinen, sollte also der Vergangenheit angehören. Doch leider sind Diskriminierungen und Vorurteile in der amerikanischen Gesellschaft noch immer an der Tagesordnung. Und dass es nicht bei verbalen Übergriffen bleibt, zeigt das Drama Fruitvale Station, das auf einer wahren Begebenheit basiert.

Oscar Grant ist 22 Jahre alt als ihm klar wird, dass er sein Leben ändern muss. Der charmante und stets hilfsbereite junge Mann möchte nicht mehr zurück ins Gefängnis. Er beschließt, das Drogengeschäft aufzugeben, um seiner vierjährigen Tochter ein guter Vater zu sein, seine angeknackste Beziehung zu retten und seine Mutter stolz zu machen. Es ist der 31.12.2008, der perfekte Zeitpunkt, um mit guten Vorsätzen in das neue Jahr zu starten. Doch dazu wird es nicht mehr kommen.

Der Fall Oscar Grant erschütterte damals die gesamten USA und sorgte für heftige Proteste: In der Silvesternacht 2008/2009 wurde der junge Mann an der Bahnhaltestelle Fruitvale Station Opfer rassistisch motivierter Polizeigewalt. Mit seinem Regiedebüt hat Ryan Coogler ihm ein bewegendes Denkmal gesetzt. Er erzählt die letzten 24 Stunden in Oscars Leben, seine letzten Begegnungen und Momente. Und er erzählt von seinen Hoffnungen auf ein besseres Leben, das er nicht mehr führen durfte. Es sei ihm ein Anliegen gewesen, Oscars Geschichte zu verfilmen, da ihm schnell klar geworden sei, dass er selbst das hätte sein können: Beide waren im gleichen Alter, Oscars Freunde sahen genauso aus wie seine Freunde.

Als Hauptdarsteller verpflichte er Newcomer Michael B. Jordan (Chronicle, The Wire), der mit seiner Präsenz den Film über weite Teile allein trägt. Dabei verzichtet Coogler glücklicherweise darauf, ein idealisiertes Heldenbild zu entwerfen, sondern zeichnet das Porträt eines jungen Mannes mit Fehlern und einer schwierigen Vergangenheit, der sich aber nicht aufgeben will und beschließt, für sein Glück zu kämpfen. Jordan schafft es dabei mit seinem Spiel, die Gratwanderung zwischen alten Gewohnheiten und neugesetzten Zielen glaubhaft zu vermitteln.

Fruitvale Station ist das Resultat einer hitzig geführten Rassismus-Debatte und insofern hochemotional und an einigen Stellen vielleicht etwas zu pathetisch. Andererseits: Wann, wenn nicht beim Aufzeigen von gesellschaftlichen Missständen, dürfen die Gefühle hochkochen? Natürlich sollte man schwerwiegende Probleme wie Rassismus mit einem kühlen Kopf diskutieren, aber die Tragödie einer Familie nachzuempfinden, das kann man nur mit dem Herzen. Cooglers kluger und berührender Film schafft es, beide Seiten zu vereinen.

16.06.2014

4

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Kommentare

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peltonen

vor 7 Jahren

Authentischer, aufwühlender Film!


Gelöschter Nutzer

vor 8 Jahren

herrlich


willhart

vor 8 Jahren

Meisterwerklich:)
Es sind mir alte Western Klassiker in den Sinn gekommen - lernt dieses Land nichts dazu? Offenbar nicht!


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