Project X USA 2012 – 88min.

Project X

Filmkritik

Schön kaputt

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Die Ingredienzien von Project X sind nicht neu: Notgeile Teenager, Nerds und Partyhasen hat man schon zuhauf gesehen. Der Unterschied zur gängigen Konvention? Die Inspiration sind Facebook-Parties und die Wackelkamera ist immer mitten drin im Geschehen.

Drei Jungs wollen anlässlich eines Geburtstages eine Party ausrichten, die sie auf ihrer High School legendär machen soll. Das Geburtstagskind macht sich etwas Sorgen, dass die sturmfreie Bude in Mitleidenschaft gezogen werden könnte, doch man beschwichtigt ihn, dass schon alles gut gehen wird. Da die Party jedoch auch im Internet und im Radio angekündigt wird, gerät bald alles aus den Fugen. Tausende Gäste sind da, der Sachschaden nimmt beträchtlich zu, ein Irrer mit einem Flammenwerfer taucht auf, und die Polizei rückt aus, um den bürgerkriegsähnlichen Zustand aufzulösen.

Angesichts des Erfolgs von Found-Footage-Filmen wird so ziemlich jedes Genre abgegrast und dieser Behandlung unterzogen. Bei Project X ist das Material zwar nie verschwunden gewesen, aber der Film hat den Chic von Reality-TV, bei dem der Kameramann immer ganz nahe dran ist, auch wenn es mal zärtlich und intim wird. So gaukelt der Film eine Authentizität vor, die er nicht besitzt. Tatsächlich erzählt Project X auch keine nennenswerte Geschichte, sondern gestaltet sich eher wie eine außer Kontrolle geratene Dokumentation. Die Figuren lernt man nicht mal ansatzweise kennen, darum sind sie einem auch herzlich egal. So kann man der Verwüstung, die mit dieser Party einhergeht, zwar eine gewisse Faszination abgewinnen, aber auch nur deshalb, weil die Party-Exzesse immer extremer werden.

Höchst merkwürdig ist auch die Moral des Films, denn obschon die Jungs mit dieser Party nicht nur ihr eigenes, sondern auch das Leben ihrer Eltern ruiniert haben, lassen sie sich in der Schule feiern. So steht das Ende im krassen Gegensatz zum restlichen Film, der eher wie ein Mahnmal wirkt, was Facebook-Parties betrifft, bei denen gänzlich ungewollt Hunderte oder Tausende Gäste auftauchen.

Wer ins Kino geht und einen normalen Film erwartet, wird enttäuscht. Was hier geboten wird, kann man so oder ähnlich auch in Reality-TV-Formaten auf RTL 2 und MTV sehen. Sieht man von den Exzessen ab, hätte man im Grunde auch nur bei "normalen" Teenager-Partys mitfilmen müssen - der erzählerische Gehalt wäre derselbe gewesen. War die Intention, dem Zuschauer das Gefühl zu geben, selbst auf dieser Party zu sein, so wird das Gegenteil erreicht: Irgendwie fühlt man sich wie der Außenseiter, der am Rand herumsteht und nie Teil des Ganzen ist.

15.05.2012

3

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Kommentare

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Patrick

vor 2 Jahren

Irgendwie ist der Film langweilig,irgendwie ist man gespannt was alles noch abgeht bei dieser Party,ein paar heisse Girls erfreuen das Männerauge .Aber die Party sorry PROJECT X ist um ca.20 Min.zu lang.


Barbarum

vor 4 Jahren

Found-Footage ist hier, wie auch in den meisten anderen Fällen, nervend und wohl hauptsächlich aus Kostengründen gewählt worden. Der Film ist wie eine Party, zu der man nicht eingeladen ist. Frustrierend.


Mikelking

vor 5 Jahren

Man ist direkt im Geschehen drin und wird gleich mitgerissen, wegen der ungewohnten Kameraführung. Die Musik ist cool und auch die Party hätte cool sein können. Leider muss man aber immer mit der Hauptperson mitleiden, wenn was kaputt geht, dass man den Film gar nicht richtig geniessen kann-das finde ich positiv am Film. Was mir nicht so ganz gefallen hat, waren die Gags. Viele misslingen, oder sind halt einfach zu klischeehaft. Die Filmemacher wollten einfach, dass die Party so real ist, dass sie ganz vergessen haben gute Witze einzubauen, deshalb versuchen sie das dann in den letzten Szenen, die dann ein bisschen zu übertrieben sind...Mehr anzeigen


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