Moonrise Kingdom USA 2012 – 95min.

Moonrise Kingdom

Filmkritik

Sommer-Idylle mit Anderson-Touch

Patrick Heidmann
Filmkritik: Patrick Heidmann

Bunte Farben, verspielte Details, schräge Figuren und ein trockener Humor - mit solchen Charakteristika, die sich mehr oder weniger seit seinem Erstling Bottle Rocket durch sein Werk ziehen, hat Wes Anderson beinahe so etwas wie ein eigenes Genre geschaffen. Damit ist er nicht nur zur Marke, sondern auch zum Kritiker- und Fan-Liebling geworden, weswegen es wenig verwunderlich ist, dass er nun für Moonrise Kingdom kaum an dem Erfolgsrezept rüttelt.

Im Zentrum der Komödie stehen dieses Mal mit Sam (Jared Gilman) und Suzy (Kara Hayward) zwei verliebte 12-Jährige, die 1965 auf einer kleinen Insel vor der amerikanischen Ostküste für viel Aufsehen sorgen, als sie eines idyllischen Sommers ausbüchsen. Über Briefe haben sie sich zum Abhauen verabredet, er verschwindet aus seinem Pfadfinderlager, sie aus ihrem einigermaßen verkorksten Elternhaus. Aber natürlich sind ihnen sämtliche Parteien schnell auf den Fersen, von Suzys Eltern (Bill Murray & Frances McDormand) und Lager-Aufseher Ward (Edward Norton) bis hin zum örtlichen Polizisten (Bruce Willis) und dem Jugendamt (in Form von Tilda Swinton). Ganz zu schweigen davon, dass auch noch ein großer Sturm heraufzieht.

Die Kinder sind in Moonrise Kingdom die eigentlichen Erwachsenen, die Bilder voll pittoreskem Einfallsreichtum und die Dialoge ausgesucht skurril - das ist nichts Neues bei dem Regisseur von The Royal Tenenbaums, Darjeeling Limited oder Fantastic Mr. Fox. Aber genau diese Markenzeichen verzaubern auch dieses Mal ungemein, nicht zuletzt in der nostalgischen Heraufbeschwörung einer längst vergangen Welt, die so malerisch und unschuldig wohl überhaupt nie existiert hat.

Ohne Frage wäre es auch mal reizvoll zu sehen, wie Anderson sich auf unerprobtes Terrain begibt und seine offensichtlich überbordende Kreativität auf etwas Neues richtet. Allerdings ist es nicht zuletzt die Mühelosigkeit, mit der er Leichtigkeit und Charme (samt interessanten Verweisen auf das Werk von Benjamin Britten) aus dem Ärmel schüttelt, die Moonrise Kingdom zu einem so idealen, weil gleichermaßen unterhaltsamen wie cleveren Eröffnungsfilm des diesjährigen Filmfestivals von Cannes machte. Und natürlich schadet es auch nicht, dass er - zusätzlich zu seinen sehenswerten Kinderdarstellern und Stammschauspielern wie Bill Murray und Jason Schwartzman - auch dieses Mal wieder eines der spannendsten und ungewöhnlichsten Ensembles des Jahres zusammengestellt hat.

15.06.2012

4

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Kommentare

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Janissli

vor 2 Jahren

Etwas ungewöhnlich aber eine schöne Liebesgeschichte mit zwei sehr talentierten jungen Schauspielern.


melissa.x

vor 6 Jahren

Super Film!


n4ever

vor 6 Jahren

einer der besten filme des jahres


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