Main dans la main Frankreich 2012 – 84min.

Main dans la main

Filmkritik

Hand in Hand ins Irgendwo

Michael Lang
Filmkritik: Michael Lang

Die Franzosen stehen im Ruf, die facettenreichsten Spiele der Liebe lustvoll zu zelebrieren. Auch im Film. Doch es passt nicht immer. Wie im neuen Werk der talentierten Valérie Donzelli. Da wird die Lovestory zwischen einer Pariser Ballettchefin und einem Handwerker aus der Provinz zwar mit surrealem Esprit flott eingeführt, verebbt aber als lauwarmes Beziehungsdrama.

Madame Hélène Marchal (Valérie Lemercier) regiert in der Opéra Garnier, dem Ballettzentrum der Pariser Oper. Sie wirkt etwas hochnäsig und eher gestresst. Der Glaser Joachim Fox (Jérémie Elkaïm) dagegen lebt auf dem Land, ist passionierter Skateboarder (was man ihm altersmässig nicht ganz abnimmt) und Hobbytänzer. Eben übt er mit seiner Schwester Véro (gespielt von Regisseurin Donzelli selber) für eine Disco-Castingshow. Doch zuerst wird er in die Metropole entsandt, um an der Oper ein paar Spiegel zu reparieren. Dabei trifft er natürlich auf Hélène, die just in dem Moment wieder mal von ihrem penetrantesten Verehrer, einem trotteligen Minister, bedrängt wird. Da kommt der junge Joachim als Retter fast wie bestellt. Die Zwei fühlen sich nämlich wie magnetisch zueinander hingezogen und, ein echt verblüffender Gag, ab sofort laufen ihre Körperbewegungen völlig synchron ab.

Der Gag führt zu ein paar gewitzten Slapstick-Pirouetten. Doch ein Gag ist kein Konzept und seine zwanghafte Wiederholung wirkt verheerend. Denn als Zuschauer möchte man ja nun doch genauer wissen, was die weltgewandte Dame mit dem melancholischen grossen Buben wirklich verbindet. Sexuelle Lust ist es nicht, das wird bald klar. Aber was denn sonst? Der Wunsch, der Lebensroutine zu entrinnen? Für Hélène würde das bedeuten, die intime Bindung zur lebenslustigen, aber schwerkranken Freundin Constance neu zu definieren. Und für Joachim, sich endlich von der possessiven Schwester zu emanzipieren. Das wären Ansätze für eine spannungsvolle Handlung gewesen. Doch in
Main dans la Main fehlt die plausible erzählerische Linie und es gibt kaum Identifikationsebenen.

Dabei hätte sie ja Talent, die Regiefrau Donzelli. Ihre ersten Werke,
La reine des pommes und La guerre est déclarée, erfreuten Publikum und Kritik. Doch hier bleiben nur zwei hübsche Szenen haften: Elkaïms Pantomimensolo zum George-Gershwin-Song "The Man I Love" (nach der Choreographie von Pina Bausch). Und ein frecher Striptease-Auftritt von Valérie Lemercier*, mit der sie ihren doofen Chef blamiert. Partiell gut gemacht, aber als Ganzes ohne emotionale Kraft.

17.05.2013

2

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