Magnifica Presenza Italien 2012 – 105min.

Filmkritik

Wer geht wem auf den Geist?

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Ferzan Ozpetek ist eine der starken Stimmen des "New Queer Cinema". Der Italiener versteht es, Geschichten zu erzählen, die sich nicht mit der sexuellen Orientierung seiner Figuren auseinandersetzen, sondern sie als ganz normales Element ihres Wesens begreifen. Auch in Magnifica Presenza ist die Hauptfigur homosexuell, aber darum geht es nicht.

Pietros großer Traum ist es, ein berühmter Schauspieler zu werden. Er ist 28 und besessen davon, es in diesem Metier zu schaffen, wobei ihm eigentlich jedes Mittel recht ist, zu Ruhm zu gelangen. So zieht er nach Rom, arbeitet dort in einer Bäckerei und versucht sich erstmals als Schauspieler. Derweil bleibt er bei seiner Cousine Maria, findet dann aber ein großes Appartement, das er mietet. Doch in dem Haus geht nicht alles mit rechten Dingen zu. Es dauert nicht lange und Pietro wird klar, dass das Anwesen von Geistern heimgesucht wird.

Magnifica Presenza ist eine moderne Geistergeschichte, die aber nicht auf den Gruselfaktor, sondern ganz und gar auf den Humor setzt. Denn die Geister in Pietros Haus wissen nicht, dass sie tot sind. Mehr noch: Sie waren Schauspieler, haben noch die Theaterschminke im Gesicht und proben noch immer für Stücke, die nie aufgeführt werden. Im Fokus steht die Beziehung, die Pietro zu jedem der Geister aufbaut und durch die er nicht nur etwas lernt, sondern sich auch als Mensch entwickelt.

Ozpeteks Film erwärmt das Herz. Er ist lebensbejahend und in schmeichelhaften Bildern umgesetzt. Aber ganz perfekt ist Magnifica Presenza nicht. So gibt es einige wenig entwickelte Subplots, die nie zu einer Auflösung kommen, und der Film neigt vor allem im Mittelteil dazu, zu sehr zu mäandern. Ein etwas strafferes, mehr auf den Punkt kommendes Skript hätte hier Wunder wirken können.

Magnifica Presenza ist ein sehr leichtherziger Film geworden, der trotz seinen Schwächen als angenehm unaufgeregter Film mit sympathischen Hauptfiguren (wunderbar: Elio Germano) zu unterhalten weiß. Der italienische Film ist im Grunde genommen perfektes Kontrastprogramm, wenn man im Kino mal etwas anderes als die übliche Blockbuster-Ware sehen will. Zwar nicht so gut wie Ozpeteks Vorgänger Männer al dente, aber ein schönes Beispiel für junges, lebendiges, italienisches Kino.

15.11.2012

3

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Kommentare

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palomino777

vor 8 Jahren

Hat mich nur gelangweilt.... was sollte das Ganze...?


Ortygiano

vor 8 Jahren

Der enttaeuschendste Ozpetek Film ueberhaupt. Bereits schon vergangenen Winter in Italien gesehen. Film fiel komplett durch, obwohl (kuentstlich) hoch gelobt.


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