Hitchcock USA 2012 – 98min.

Filmkritik

Psychogramm eines Genies?

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Stephen Rebellos Buch "Hitchcock und die Geschichte von Psycho" gilt längst als Standardwerk, das Einblick in das Wirken und Leben von Alfred Hitchcock gibt und zugleich ein minutiöser Bericht dessen ist, wie dieser bahnbrechende Film zustande kam. Das Biopic Hitchcock nimmt es mit den Details hingegen nicht so genau.

Wie das Buch beschreibt auch der Film Hitchcock, wie Alfred Hitchcock Robert Blochs Roman Psycho verfilmen möchte. Doch die grausame Geschichte erscheint den Studios nicht zugkräftig. Man versagt die Finanzierung, weswegen Hitchcock diese selbst übernimmt. Während "Psycho" entsteht, plagen Hitchcock Ängste, dass seine Frau Alma Reville, die ihm auch kreativ stets als Partnerin zur Seite stand, ein Verhältnis mit einem anderen Mann haben könnte.

So reizvoll es ist, die Entstehung eines der großen Werke der Filmgeschichte in den Mittelpunkt zu rücken, so unentschlossen ist Hitchcock aber letztlich auch. Das liegt einerseits daran, dass er sich zu sehr auf das Privatleben konzentriert und beim Schaffensprozess von "Psycho" nur die bekanntesten Anekdoten mit Checkliste abhakt. Andererseits aber auch daran, dass es der Film mit der Wahrheit nicht so genau nimmt.

So wird Alma Reville als schlagfertige kecke Frau gezeichnet, die an Hitchcocks Erfolg beträchtlichen Anteil hatte. Letzteres ist richtig, ersteres kann man als gutmütige Übertreibung des Drehbuchautoren sehen. Aber: Was die angedrohte bzw. im Raum stehende Affäre betrifft, so begibt sich Hitchcock auf sehr brüchiges Eis.

Damit nicht genug, erklärt der Film zu Beginn auch noch, dass sich Hitchcock in einer Schaffenskrise befand, vielleicht sogar einen Karriereknick erlebte. Abstruser geht es nicht, kam zuvor doch der immens erfolgreiche North By Northwest. Auch in der Nachklappe lässt man es sich nicht nehmen, die Filmgeschichte umzudeuten. Da wird behauptet, an den Erfolg von Psycho hätte Hitch nie wieder anschließen können. Völlig aus dem Rahmen fallen zudem die Szenen, in denen sich Hitchcock mit dem Serienkiller Ed Gein unterhält, die den Regisseur in Richtung Muttersöhnchen schieben und eine Wahnhaftigkeit unterstellen, die angesichts dessen, was über Hitchcock bekannt ist - und das ist extrem viel - vollkommen unangemessen ist.

Die Besetzung des fragwürdigen, aber zumindest unterhaltsamen Films mit Scarlett Johansson und Jessica Biel als Janet Leigh und Vera Miles ist nicht unbedingt das, was man inspiriertes Casting nennen würde, aber beide schlagen sich gut. Die besten Momente hat zweifelsohne Helen Mirren, während es Anthony Hopkins nicht schafft, hinter der Rolle zu verschwinden. Er hat die Bewegungen, die Manierismen und auch die Art, wie Hitchcock sprach, ganz und gar verinnerlicht. Und doch sieht man immer den Schauspieler, der sich müht, niemals die Figur, die zum Leben erwacht. Hopkins‘ Hitchcock ist eine Travestie. Der Film letzten Endes auch.

18.03.2013

2

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Kommentare

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Barbarum

vor 5 Jahren

Hopkins hat die Stimme und die Art zu sprechen von Hitchcock perfekt drauf, aber ansonsten hat der Film nicht allzu viel zu bieten. Etwas Komödie, etwas Ehedrama und ein wenig bekommt man einen Blick hinter die Kulissen der Dreharbeiten zu Psycho. Allerdings bei weitem nicht so informativ, wie man das wohl bei einer Dokumentation erwarten dürfte. Nun ja, ist ja auch ein Spielfilm.Mehr anzeigen


fanya

vor 6 Jahren

Sehr gute Schauspieler/Innen!


Corinne47

vor 6 Jahren

Genial umgesetzt, Anthony Hopkins wie immer eine Klasse für sich.


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