Frances Ha USA 2012 – 86min.

Frances Ha

Filmkritik

Lieben soll man nicht alleine

Michael Lang
Filmkritik: Michael Lang

Leichtfüssig, unbeschwert, klug bebildert Noah Baumbach in elegantem Schwarzweiss eine vertrackte Frauenfreundschaft. Mit hinreissenden Schauspielerinnen wie der Engländerin Mickey Sumner und der Kalifornierin Greta Gerwig, die auch am Drehbuch mitgeschrieben hat.

Am Anfang wohnen sie zusammen, die kopflastige Sophie (Mickey Sumner) und die emotional verschrobene Frances (Greta Gerwig). Hauptschauplätze sind Manhattan und Brooklyn in NYC, man bewegt sich im Milieu der Künstler, ewigen Studenten, Möchtegernkarrieristen. Die Damen und Herren sind Ende 20, haben dieses und jenes erlebt. Sie geben sich betont offen, verlustieren sich mit wechselnden Liebschaften und finden sich alle ganz toll. Es wird, salopp gesagt, flott auf den verführerisch-launischen Wellen des urbanen Zeitgeists gesurft.

Natürlich ist nicht alles ganz so easy, wie es scheint: Sophie, Frances liebste Freundin, sehnt sich nach ruhigeren Beziehungsgewässern. Sie hat einen Mann mit Aufstiegschancen gekapert, mit dem sie nach Japan ziehen will. Das passt Frances überhaupt nicht. Erstens findet sie den Kerl rechtens doof. Und vor allem bräuchte sie jetzt Unterstützung in beruflichen Dingen: als Tänzerin hofft sie auf einen fixen Platz in ihrer Tanzkompagnie und muss erfahren, dass man ohne sie plant.

Was nun? Jammern, resignieren? Nein. Denn Frances Ha handelt von einer 27-Jährigen, die sich weder verbiegen lassen noch verstellen will. Sie gibt Gas und stellt sich den Herausforderungen. Etwa einem spiessigen Familientreff in der Heimatsstadt Sacramento, einem suboptimalen Job als Kellnerin in der Provinz. Und sie traut sich was: als ihr eine Ferienwohnung in Paris angeboten wird, packt Frances zu, jettet an die Seine. Allein, ohne Plan und ohne Französischkenntnisse.

Handlungsmässig passiert in dieser unaufgeregten Komödie mit Köpfchen nicht viel. Egal, denn man bleibt aufmerksam, weil Esprit verströmt wird. Besonders dann, wenn sich die Pfade der Freundinnen Sophie und Francis (keineswegs zufällig) immer wieder kreuzen. Das ist famos gespielt und mit einem ironisierenden Soundtrack mit Songs von Hot Chocolate, David Bowie oder Marc Bolan verziert. Gelungen sind auch kokette Reminiszenzen an Stadtdramen von Woody Allen, lakonische Beziehungskisten von Jim Jarmusch und die Liebespoesie von François Truffaut. Das ist ganz bezaubernd!

Am Ende dieses cineastischen Kleinods hat man dann ein paar Antworten mehr auf die grossen Fragen um die Magie von Freundschaft, Liebe und die Balance des Glücks. Für sich allein, oder noch besser zu Zweit.

17.06.2013

4

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Kommentare

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Barbarum

vor 3 Jahren

Zum Teil etwas episodenhaft. Aber Great Gerwig hat vor allem vor der Kamera ihren Job toll gemacht, sodass man Frances einfach in den Arm nehmen will und sagen: "Kopf hoch, wird schon alles gut. "


filmlove

vor 5 Jahren

schoen


filmlove

vor 5 Jahren

schoen


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