True Grit USA 2011 – 110min.

True Grit

Filmkritik

Totgesagte leben länger

Patrick Heidmann
Filmkritik: Patrick Heidmann

Hollywood hat das Genre des Western eigentlich aufgegeben. Zu Unrecht, wie Ethan und Joel Coen beweisen, die sich erstmals in den wilden Westen des 19. Jahrhunderts aufgemacht haben und mit True Grit in den USA so erfolgreich sind wie noch nie.

Schon 1969 gab's einen Western mit dem Titel True Grit; doch mehr als an diesem späten John Wayne-Film orientieren sich die Coen-Brüder an dessen Roman-Vorlage von Charles Portis. Mattie Ross (Hailee Steinfeld) ist ein 14-jähriges Mädchen, ausgesprochen selbständig und nicht auf den Mund gefallen. Nachdem ihr Vater von dem Gauner Tom Chaney (Josh Brolin) getötet wurde und von offizieller Seite wenig getan wird, um den Flüchtigen zu stellen, will sie die Sache selbst in die Hand nehmen.

Ein Pferd ist schnell organisiert, doch mit dem Begleiter, der die nötige Skrupellosigkeit an den Tag legt, sieht es nicht so gut aus. Zumindest erweist sich der ihr empfohlene Marshal Rooster Cogburn (Jeff Bridges) als dauerbetrunkener Griesgram, dessen Zuverlässigkeit zu wünschen übrig lässt. Doch weil Mattie mit einem Batzen Geld in der Tasche locken kann, macht sich das ungleiche Paar auf seine Mission, immer wieder mit dem Texas Ranger Labeouf (Matt Damon) im Schlepptau, der selbst noch eine Rechnung mit Chaney offen hat.

Das Genre des Westerns scheint den Coens derart auf den Leib geschneidert, dass man sich fast wundert, warum sie sich ihm nicht schon früher angenommen haben. Allein die karge und unwirtliche Landschaft ist ein ganz eigener Hauptdarsteller, den sich die Brüder kaum eigenwilliger hätten ausdenken können. Auch Portis' Roman mit seinem bösartig-absurden Humor und den unerbittlich-überraschenden Gewaltausbrüchen stellt sich als ideale Vorlage heraus. Die Coens haben sie um ein paar kuriose Randgestalten erweitert und auch sonst genüsslich ausgebaut.

Auch die Mitarbeiter des Duos laufen zu gewohnter Hochform auf. Besonders hervorzuheben sind dabei neben Kameralegende Roger Deakins und Komponist Carter Burwell die beiden Hauptdarsteller: Die junge Hailee Steinfeld entpuppt sich als spannende Entdeckung, während Jeff Bridges - in seinem ersten Coen-Film seit seinem ikonischen Dude-Auftritt in The Big Lebowski - lässig den abgehalfterten Vaterersatz wider Willen gibt. True Grit ist am Ende kein Meilenstein der Filmgeschichte, aber nicht zu Unrecht mit allerlei Oscar-Nominierungen bedacht und sicher der sehenswerteste Berlinale-Eröffnungsfilm seit langem.

14.03.2011

4

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Kommentare

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Urs23

vor 7 Jahren

Starker Western, spannend und unterhaltsam.


movie world filip

vor 8 Jahren

Fangt sober an, sowie auch "There will be blood" langsam started um so besser geht es crescendo zu ein unglaublichen aber einfachen Climax... mit noch die Bildstarke Weg zurück auf das Pferd durch die Nacht. Starke Darstellung, starke Bilder, starke Geschichte. Truely strong!


Schaggson

vor 8 Jahren

Nicht ganz Fargo...


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