Die Eiserne Lady Frankreich, Grossbritannien 2011 – 105min.

Filmkritik

Die erweichte Eiserne

Urs Arnold
Filmkritik: Urs Arnold

"The Iron Lady" schildert den Aufstieg und Fall der britischen Politikerin Margaret Thatcher. Während Meryl Streep in ihrer Rolle brilliert, stellt sich der Film mit seiner Überambition selbst ein Bein.

Sie war das erste weibliche Oberhaupt eines westlichen Landes. Und sie blieb es lange, für ihre Gegner unendlich lange, zwischen 1979 und 1990. Was Margaret Thatcher (Meryl Streep) bereits als Tochter eines Gemischtwarenlandes lernte, nämlich sich mit rigiden, unverrückbaren Ansichten in einer von Männern geprägten Gesellschaft zu behaupten, prägte später ihren entschiedenen Regierungskurs.

Doch nun sitzt die einstige eiserne Lady als Greisin in ihrer Wohnung und unterhält sich mit Alkohol und ihrem Ehemann Denis. Nur ist der seit Jahren schon tot. Aus der scharfsinnigen Rhetorikerin ist über die letzten beiden Dekaden eine demente alte Frau geworden, die sich im Laufe eines Tages nach und nach an ihre Lebensstationen zurückerinnert. Es sind Gedanken an Jubel und Verachtung, Triumph und Terror, Macht und Ohnmacht.

Von Mamma Mia zu Margaret Thatcher in drei Jahren: Meryl Streep und Regisseurin Phyllida Lloyd wandten sich nach der gemeinsamen Arbeit im wunderbar überdrehten ABBA-Musical einer der polarisierendsten Personen der jüngeren britischen Geschichte zu. Das ist eine ganz andere Höhenlage, doch Streep ist bekannt für ihre Leistungen in dünner Luft: Nicht die kleinste darstellerische Verschnaufpause erlaubt sich die 62-jährige Schauspielerin in ihrer grandiosen Performance. Absolut verdient ist somit auch der Oscar für diese Rolle.

Schön wäre nur gewesen, hätte der Film selbst mit Streep Schritt halten können. Stattdessen übernimmt er sich in der Ambition, unkonform das Licht auf das Leben von Thatcher zu richten - dies ausgehend von einer ziemlich spekulativen Ausführung ihres derzeitigen Daseins. Dieser Rahmenhandlung wird verschwenderisch Zeit zugestanden; in ihr wird die gefürchtete Härte der Politikerin Thatcher aufgeweicht, die es in den mehr oder zumeist eher weniger homogen eingeflochtenen Rückblenden des Öfteren zu erleben gibt.

Was sich aber unter dem Eisenpanzer der Frau tat, als sie britische Soldaten in den Falkland-Krieg sandte, ein IRA-Attentat überlebte oder Tausende wegen ihrem Spardiktat auf die Strassen gingen, bleibt vornehmlich unbeleuchtet. Bei den einschlägigen Stationen von Thatchers Politkarriere scheut Lloyd den Blick ins Innere der Regentin, ihren Mann Denis lässt sie gar vollends verschwinden. Während der Film in der Gegenwarts-Ebene mutmasslich in die Tiefe gehen will, bleibt er in der Vergangenheit oberflächlich. Immerhin: "The Iron Lady" gibt sich in der historischen Aufarbeitung nicht wertend und lässt so selbst Zuschauer, die sich mit Thatcher gar nicht auskennen, nachvollziehen, warum die ehemalige britische Premierministerin gleichermassen glühende Verehrer wie auch erbitterte Gegner hatte.

04.07.2012

2

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Kommentare

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Patrick

vor 5 Jahren

Margaret Thatcher starb am 08. 04. 13 an einem Herzinfarkt.


Patrick

vor 5 Jahren

Meryl Streep kommt als Margaret Thatcher Oscarreif rüber, doch ihr Leben und was sonnst noch in ihrer Amtszeit in Welt passiert ist wird zu kurz erzählt daher sollte man sich vorher noch über alles infomieren.


Urs23

vor 6 Jahren

Kurzweilige (Kurz-) Biografie über die Iron Lady, die im Film menschliche Züge bekommt, und nicht als DIE gefühlskalte Karrierepolitikerin dargestellt wird, als die sie von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde.


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