Tage des Verrats USA 2011 – 98min.

Tage des Verrats

Filmkritik

Im Netz der Macht

Patrick Heidmann
Filmkritik: Patrick Heidmann

Dass es George Clooney nicht reicht, sich auf den roten Teppichen der Welt als Superstar feiern zu lassen, ist seit langem bekannt. Umso erstaunlicher ist es, dass der engagierte Obama-Anhänger sich dem Thema Politik erst in seiner vierten Regiearbeit erstmals auch explizit widmet.

In The Ides of March, der auf das schräge Biopic Confessions of a Dangerous Mind, das Oscar-nominierten Mediendrama Good Night, and Good Luck und die Sportkomödie Leatherheads folgt, spielt Clooney selbst den charismatischen US-Gouverneur Mike Morris. Dem politischen Shooting Star der Demokraten werden gute Chancen im Rennen um die Präsidentschaft eingeräumt, der Vorwahlkampf läuft bereits auf Hochtouren. Kaum minder kometenartig verläuft die Karriere seines engsten Beraters Stephen Meyers (Ryan Gosling), der gemeinsam mit Wahlkampfleiter Zara (Philip Seymour Hoffman) die Strippen zieht und die Gegenseite stets genauso im Blick hat wie die Presse. Dann allerdings landet Meyers mit der Praktikantin Molly (Evan Rachel Wood) im Bett - und löst damit eine Kettenreaktion aus, die ihn mehr kosten könnte als nur seinen Idealismus.

Viel mehr zu verraten wäre ungeschickt, denn The Ides of March, dem das Theaterstück "Farragut North" zugrunde liegt, funktioniert durchaus auch als Thriller. Dramatische Entwicklungen, überraschende Wendungen und ein Personal, dem durch die Bank nicht wirklich über den Weg zu trauen ist, sorgen jedenfalls vor allem im zweiten Teil für immer packendere Unterhaltung. Ganz hervorragend ist dabei nicht zuletzt das hochkarätige und von Clooney mit sicherer Hand geführte Ensemble, zu dem auch noch Paul Giamatti, Marisa Tomei und Jeffrey Wright gehören.

Vor allem aber ist Clooneys vierte Regiearbeit natürlich ein Lehrstück über die Mechanismen und Fallstricke des heutigen Politbetriebs. Die Erkenntnis, dass dort auf allen Ebenen gelogen, betrogen und manipuliert wird, und selbst der aufrichtigste Recke noch irgendwann korrumpiert wird und seine Moralvorstellungen opfern muss, ist weder besonders neu noch unbedingt tiefschürfend. Die Konsequenz allerdings, mit der Clooney auch für die vermeintlich Guten keine Ausnahme macht, und die Präzision, mit der er die schmutzigen Geschäfte darlegt, sind ohne Frage beeindruckend. Nicht zuletzt, weil es ihm gelingt, The Ides of March trotzdem nicht zu einem zynischen Abgesang auf politisches Engagement werden zu lassen.

16.01.2012

4

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Kommentare

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spiggy

vor 5 Jahren

Gut gemacht, spannend und sehenswert


Urs23

vor 6 Jahren

Grandios, spannend und auch beängstigend, weil man sich durchaus vorstellen kann, dass solche Intriegen und Spielereien in der Politik (nicht nur in den USA) Gang und Gäbe sind. Ryan Gosling in Höchstform.


replay

vor 7 Jahren

Absolut sehenswert. Spätestens nach diesem Film gehört Gosling zu meinen Lieblingsschauspieler. Interessante Entwicklung der Geschichte.


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