The Grey - Unter Wölfen USA 2012 – 117min.

Filmkritik

Die mit den Wölfen tanzen

Patrick Heidmann
Filmkritik: Patrick Heidmann

Lange her, seit Liam Neeson als Experte für anspruchsvolle Rollen galt. Eine Oscar-Nominierung in Schindler's List, umjubelte Broadway-Auftritte? Alles so gut wie vergessen, seit der Nordire vor einigen Jahren auf die Idee kam, ins Actionfach zu wechseln. Und das in einem Alter, in dem die meisten seiner Kollegen eher die umgekehrte Richtung einschlagen.

Mit The Grey bleibt Neeson auf dem neuen und überaus erfolgreichen Weg, nähert sich aber auch erstmals wieder seiner Vergangenheit an. Denn der Film von Joe Carnahan (The A-Team) ist zwar in der Tat Actionkino ganz im Sinne des Massengeschmacks, doch gleichzeitig hat die Rolle des Scharfschützen Ottway, der wie so viele andere verkrachte Typen bei einer Erdölraffinerie in Alaska angeheuert hat, genug Abgründe, um für den Wahl-Amerikaner zur größten schauspielerischen Herausforderung seit langem zu werden.

Die Geschichte, in welcher der lebensmüde und schweigsame Ottway gemeinsam mit einigen Kollegen einen Flugzeugabsturz überlebt und fernab jeglicher Zivilisation gegen das unwirtliche Winterklima sowie ein Rudel ausgehungerter Wölfe auf fast verlorenem Posten steht, ist für sich genommen nicht allzu originell. Dass von den acht Männern einer nach dem anderen dran glauben muss, versteht sich von selbst, und auch was es mit den Rückblenden auf Ottways Frau auf sich hat, erschließt sich aufmerksamen Zuschauern früh.

Wer etwas dafür übrig hat, Männern beim Kampf gegen die Naturgewalten zuzusehen und Testosteron geschwängerte Gespräche über Gott am Lagerfeuer zu belauschen, den dürfte eine gewisse Vorhersehbarkeit in diesem Fall aber kaum stören. Denn Carnahan entwickelt für sein Drehbuch eine erstaunliche Dringlichkeit und Spannung, die nicht zuletzt daraus resultiert, dass er seine Brutalität dieses Mal nicht mit deplatziertem Humor untergräbt, sondern bis zum mutigen Filmende ganz auf unmittelbaren Realismus setzt. Die eindrucksvollen Naturaufnahmen - mit Ausnahme der häufig dürftig animierten Wölfe - tun ihr Übriges dazu. Und Neesons Auftritt ebenfalls.

17.02.2024

3

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Kommentare

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dulik

vor 6 Jahren Exzellent

Survival-Movie, welches den Kampf ums Überleben bei eisigen Temperaturen und umzingelt von Wölfen authentisch widergibt. Liam Neeson spielt seine Hauptrolle als Leader der Überlebendengruppe sehr überzeugend und mit viel Hingabe. Für den Inhalt der Story ist der Film eher ein bisschen lang geraten, aber keineswegs langatmig. Durch beeindruckende Naturaufnahmen und gelungenen Kamerafahrten hat man stets das Gefühl dabei zu sein. Die Wölfe sind vielleicht etwas bösartiger dargestellt, als sie es tatsächlich sind.
7/10Mehr anzeigen


Mikelking

vor 10 Jahren

Die Schauspieler sind gut, die Story WÄRE top, doch die Umsetzung ist leider ein Flopp. Irgendwann hat man es gesehen. Das Ende, fand ich aber gar nicht mal so schlecht.


Urs23

vor 11 Jahren

Ziemlich langatmig und etwas gar (über-) dramatisch, irgendwann hat man es gesehen.


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