In Time USA 2011 – 109min.

Filmkritik

Gegen die Zeit

Filmkritik: Catharina Steiner

Mit seinem Erstling Gattaca hat Andrew Niccol einen visionären Sci-Fi-Klassiker geschaffen, der Kult-Status geniesst. Umso enttäuschender ist, dass sich In Time trotz einer vielversprechender Prämisse - Zeit ist in der Zukunft buchstäblich Geld - als moralisierender und streckenweise langatmiger Thriller entpuppt.

Will Salas (Justin Timberlake) hat nur noch 24 Stunden zu leben. Er ist nicht etwa krank - er ist pleite. Denn in der Zukunft ist Zeit die einzige Währung, und die Armen haben notorisch wenig davon. Bekommen sie nicht mehr Zeit, trifft sie ein elektrischer Schlag, und sie fallen tot um. Dieses Schicksal teilt Will mit Tausenden, die wie er im Ghetto leben müssen. Die Reichen dagegen haben Hunderte von Jahren zu ihrer Verfügung. Als Will eines Tages in den Besitz eines Jahrhunderts kommt, beschliesst er, die wohlhabende Gesellschaft zu infiltrieren und gemeinsam mit Sylvia (Amanda Seyfried) die Machthaber des Zeit-Regimes von innen heraus zur Strecke zu bringen.

In Time basiert auf einer intelligenten, provokativen Idee. Doch Niccol schaft es nicht, den Zuschauer über das vielversprechende erste Drittel des Films hinaus zu fesseln. Die Handlung schleppt sich dahin, die Dialoge sind hölzern, die Action halbherzig. Nie wird erklärt, warum die Aufteilung der Zeit-Resourcen so ist wie sie ist. "Damit einige leben können, müssen viele sterben", ist am Ende die einzige Pointe, die Will seinem Widersacher, dem fiesen Zeit-Magnaten Weis (Vincent Kartheiser) entlocken kann.

Wie der genetische Code der ewigen Jugend und Gesundheit entschlüsselt werden konnte, Menschen aber weiterhin via Telefonzellen (!) miteinander kommunizieren, bleibt ebenfalls ein Rätsel. Stattdessen wird dem Publikum die Moral der Geschichte fortwährend aufs Auge gedrückt: Zeit ist kostbar! Verschwende nicht deine Zeit! Diese Metapher strapaziert Niccol bis zum Rand des Erträglichen.

Was den Film rettet sind die stylische Arbeit von Kameramann Roger Deacon und die gut gewählten Drehorte, die die seelische Entleertheit einer solchen Gesellschaft widerspiegeln. Dass alle Erwachsenen als 25-Jährige "festgefroren" sind, und Mütter gleich alt aussehen wie ihre Töchter und Enkeltöchter, ist ein verstörendes, filmisch interessantes Konzept. Auch Justin Timberlake macht seine Sache respektabel und beweist einmal mehr, dass sich Hollywood auf seine Qualitäten als Leading Man verlassen kann.

28.02.2017

3

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Kommentare

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magix

vor 2 Jahren

Ich verstehe die schlechten Bewertungen nicht. Ich fand den Film super. Gut gespielt, unterhaltsam und einfach eine geile Story!


Reptile

vor 5 Jahren

"In Time" ist leider nichts anderes, als ein lieb- und belanglos zusammengedichteter SciFi/Thriller-Brei mit total überkitschten Actioneinlagen und einer absolut an den Haaren herbeigezogenen, sowie vor Logiklöcher nur so strotzenden Story, welche man zu keiner Sekunde auch nur annähernd ernst nehmen kann.
Kurz und bündig: Wer dieses Machwerk nicht gesehen hat, der hat nichts verpasst. Da haben sowohl die hübsche Amanda Seyfried, als auch Justin Timberlake, weitaus bessere Filme in Petto.
Also spart euch eure "Zeit" lieber für einen spannenderen Film auf.Mehr anzeigen


Barbarum

vor 5 Jahren

Die Kameraarbeit von Deakins lässt einmal mehr nichts zu wünschen übrig, da stört auch die hanebüchene Story um ein Bonnie und Clyde-Pärchen nur wenig.


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