Herz im Emmental 2011 – 91min.

Herz im Emmental

Filmkritik

Wo Ämme und Tiger sich gute Nacht sagen

Rolf Breiner
Filmkritik: Rolf Breiner

Ein Dorf, eine Landschaft und Menschen, die hier verwurzelt sind: das Emmental. Gotthelfs Geschichten und Franz Schnyders Filme, die Lieder und Geschichten der Heinigers, die Spiele der SCL Tigers - aus diesem Stoff ist der Dokumentarfilm von Bernhard Giger und Bänz Friedli gewoben.

Wer kennt sie nicht, die Liebesszenen zwischen Lilo Pulver und Hannes Schmidhauser aus Ueli der Knecht, die wilde bäurische Rauferei (Die Käserei in der Vehfreude) und die Berner Eishockeyduelle zwischen dem SC Bern und den SCL Tigers? Irgendwie sind sie alle damit aufgewachsen, mit dem Büchern Gotthelfs, den Filmen Schnyders - die einen mehr, die andern weniger. Wer sein Herz im Emmental verloren hat, wird an der Heimat-Hommage der Berner Bernhard Giger und Bänz Friedli viel Freude haben.

Land und Leute - zwölf Menschen und viele Geschichten von Langnau bis Bern. Da wäre etwa Barbara «Babs» Wüthrich, erklärter Shakra-Fan, einer Hardrockband aus Trub, Thom Blunier, Lead-Gitarrist und Produzent besagter Band, oder Simon Schenk, ehemaliger Eishockeyspieler, Sportchef, Trainer und SVP-Nationalrat bis 2011. Alle beschreiben sie ihre Erfahrungen, ihre Erlebnisse mit dem Emmental, den Menschen, die hier leben. Sie können und wollen nicht von der Ämme, dem Ilfiz-Stadion der SCL Tigers, ihrem Dorf lassen - egal ob sie wie Bruno Marazzi Fussballstadien in Basel und Bern bauten, sie beim Fernsehern Karriere machten wie Ueli Heiniger oder ob sie wie Peter Jacob aus Trubschachen auch in Vietnam Seile produzieren.

Herz im Emmental hat etwas Gemächliches, genau wie wie Ämme, auf die Tinu Heiniger, Uelis Bruder, ein eingängiges Lied geschrieben hat und singt, auch etwas Raues und Kantiges, wie die Art Musik, welche die Shakra-Band durch die Boxen jagt. Einer ihrer Fans ist übrigens der US-Skirennfahrer Bode Miller. Ein kleines Stück Sozial- und Provinzgeschichte und eine grosse Liebeserklärung.

Das mag manchen Mainstream-Kinogängern zu brav und betulich, vielleicht auch bieder sein. Der Berner Bernhard Giger hatte jedenfalls einen feinen Draht zu Emmentalern und Langnauern gefunden, die immer noch im Eishockeystadion ihre (meist) friedlichen Fehden mit den Bernern ausfechten. Der Film berührt und überzeugt im Tempo, im Musikalischen wie Visuellen (Kamera: Pio Corradi), weil er dem Naturell des Emmentals und seiner bodenständigen Bewohner entspricht.

15.11.2011

3

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