Gerhard Richter - Painting Deutschland 2011 – 97min.

Filmkritik

Abstrakte Bilder - konkreter Maler

Filmkritik: Eduard Ulrich

Dass sich der so erfolgsverwöhnte wie medienscheue Farbflächengestalter Gerhard Richter bei der Arbeit filmen ließ, kann als kleine Sensation gelten. Die zugleich intimen und respektvollen Szenen des Schaffensprozesses bilden den substantiellen Schwerpunkt dieses angenehm sachlichen Künstlerporträts, verlangen aber Geduld und Aufmerksamkeit. Ob damit ein Publikum außerhalb des kleinen Kreises der Fachleute angesprochen weden kann, ist deshalb fraglich.

Gerhard Richter wurde 1932 geboren, wuchs in der DDR auf und siedelte 1961 aus künstlerischen Gründen in den Westen um. Dort studierte er weiter und entwickelte sich zu einem sehr erfolgreichen Maler. Seine abstrakten Bilder, denen man ihre beinah sportliche Herstellungsweise ansieht, erzielen hohe Preise, Zugang zu seinen Werken findet aber nur eine begrenzte Schar Enthusiasten und Fachleute. Die Qualität seiner Arbeit ist somit schwer einzuschätzen, was Kritik an der Vermarktung moderner Künstler und den Mechanismen des Kunstmarktes provoziert, werden dort doch astronomische Summen für Elaborate bezahlt, die der Unbewanderte nicht einmal als Kunst erkennt.

Die Entwicklung vom Kind des Sozialismus' zum Lieblingskind im Kapitalismus zeichnet Corinna Belz in ihrem kompakten Dokumentarfilm allerdings nicht nach, einige wenige Ausschnitte aus Fernsehauftritten des "Republikflüchtlings" müssen genügen. Im Zentrum steht die Arbeit im Atelier und die Vorbereitung einer Ausstellung in Köln. Viel Zeit wird auch dem Blick auf seine Bilder gewidmet. Ein Ausflug an eine Vernisage in New York und eine in London, Begegnungen mit einer Galeristin und einem Kunsthistoriker, kurze Auftritte von Angehörigen und ein Spaziergang in der Umgebung des Ateliers sind die Puzzle-Teile, aus denen sich das Publikum sein eigenes Richter-Bild zusammensetzen muss.

Die Qualität dieser Dokumentation liegt allein schon in ihrer Existenz: Richter ist ein extrem medienscheuer Künstler, der sich sogar reinen Befragungen entzieht, wenn es ihm möglich ist. Dass er einwilligte, vor einer Kamera zu malen und seine Gedanken preiszugeben, ist sowohl der Beharrlichkeit und Rücksicht der Filmemacherin als auch der Souveräntität Richters zu verdanken, der keine Scheu hat, seine Zweifel zu äußern. Wir lernen dabei einen selbstkritischen, uneitlen und seinem Werke verschriebenen Künstler kennen. Anders als Picasso, der bekanntlich nicht suchte, sondern fand, ist Richter ein ständig Suchender, der selten mit einem Ergebnis zufrieden ist. Unklar ist allerdings, ob dieses wohltuend unspektakuläre Porträt die Begeisterung für das Sujet wecken kann.

15.12.2011

3

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Kommentare

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sternenhund

vor 6 Jahren

fantastisch!


reidsch221

vor 8 Jahren

hhmm.... der künstler lässt sich offen und ehrlich über die Schulter gucken..


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