Die Vaterlosen Österreich 2011 – 104min.

Filmkritik

Einer stirbt, nicht alle trauern

Rolf Breiner
Filmkritik: Rolf Breiner

Was von einer Hippie-Familie übrig bleibt: Die junge Österreicherin Marie Kreutzer macht in ihrem ungewöhnlichen Beziehungsdrama die Vergangenheit zur Gegenwart.

In einem Landhaus stirbt ein Mann (Johannes Krisch). Er war die Kristallisationsfigur einer Hippie-Grossfamilie. Die Familie ist so zerbröckelt wie das grosse Haus im Abgeschiedenen. Hier lebte Hans mit seiner Gefährtin (Marion Mitterhammer). Niki (Philipp Hochmair) ist der letzte, der mit ihm sprechen konnte, und noch auf dem Totenbette brüskiert ihn der Vater. Die drei Geschwister kommen zu spät: Vito (Andreas Kiendl), der Idealist und Phantast, Mizzy (Emily Cox), die an einer neurophysischen Störung leidet, und zuletzt Kyra (Andrea Wenzl), die verstossene, vergessene Tochter.

Man möchte am liebsten zur Tagesordnung übergehen. Besonders Niki will den Ort seiner Kindheit fluchtartig verlassen - genau wie Kyra, die Aussenseiterin. Sie hatte über Jahrzehnte keinen Kontakt mit ihren Geschwistern. Vor 23 Jahren gab es die Grossfamilie und eine abrupte Trennung. Kyras Mutter musste gehen, es war das jähe Ende einer scheinbar unbeschwerten Zeit. Was war passiert? Was hat es mit der kleinen Schwester Mizzi und ihrer Störung auf sich? Warum wurde Kyra totgeschwiegen? Mizzi will es genauer wissen und stochert in der Vergangenheit. Die Geschwister kommen sich näher, aber es kommt auch zu Zerwürfnissen und Brüchen.

So banal der Spruch klingt, er ist wahr: Es wird nie wieder so sein, wie es einmal war. Es gibt Zeichen und Hoffnung, dass die Familie wieder zusammen findet - auch ohne, oder gerade wegen des toten Leitwolfs. Mag auch sein, dass das Thema Familie, Zerrüttung, Vergessen, Verlust und Verletzungen nicht wirklich neu ist im Kino. Die Grazerin Marie Kreutzer (Buch und Regie) (von ihr stammt übrigens das Drehbuch zu Das Fräulein) bietet mit ihrem ersten Langspielfilm ein intensives, fesselndes Drama, das von einem exzellenten Schauspielerensemble getragen wird, aus dem Andreas Kiendl, Andrea Wenzl und Emily Cox noch herausragen.

Die Vaterlosen ist ein treffender Titel. Er wird zum Sinnbild des Verfalls und des Verlusts, auf zwei Ebenen, die vom Gestern ins Heute führen und umgekehrt. Ein interessanter Beziehungsfilm: herausfordernd, aber auch teilweise bemühend. Auf jeden Fall sehenswert, wenn auch nicht leicht verdaulich.

20.02.2017

3

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Kommentare

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teafields

vor 11 Jahren

Der Film ist Österreichisch, aufgechlossen, anti-kleinbürgerlich und wirkt als ganzes sehr natürlich (1A location!). Es erinnert ein wenig an einen Dogme Film (wie etwa Festen) - aber mit ordentlicher Technischer ausführung. @Remo wovon redest du? Die Schauspieler haben tolles geleistet, die Dialoge fühlen sich an als hätte ich sie am Land mitgelauscht - gewohnt ist man im Österreichischen Kino leider Amerikanische Dialoge, von Deutschen für Österreich übersetzt - wäre dir das lieber? Nein, das ist nicht Hollywood, das ist endlich wieder ein Ösi Film.Mehr anzeigen


remow

vor 11 Jahren

Ein wahrlich schlechter Film. Vor allem fand ich die schauspielerische Leistung und die Dialoge sehr schlecht. Zeitverschwendung.


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