Colombiana Frankreich, USA 2011 – 107min.

Filmkritik

Kleine Frau ganz gross

Maria Sigrist
Filmkritik: Maria Sigrist

Im neuen Film von Luc Besson und Oliver Megatone ist drin, was in gutem Actionkino drin sein soll: böse Jungs, Drogenkartelle, schwere Waffen, korrupte Geheimagenten und Zoe Saldana in der Hauptrolle.

"Was möchtest du werden, wenn du gross bist?", fragt Onkel Emilio. "Profikillerin", antwortet die neunjährige Cateleya und schaut ihn dabei mit ihren grossen, dunklen Augen an. Cataleya (Zoe Saldana) wird älter und wächst zur meinst gesuchten Person der USA heran. Besessen vom Gedanken, den Mord an ihren Eltern zu rächen, führt sie einen Vergeltungsfeldzug gegen einen kolumbianischen Drogenring. Als Onkel und Mentor Emilio (Cliff Curtis) erfährt, dass Don Luis, Boss des Ringes, unter dem Schutz der CIA steht, versucht er, seine Nichte von ihren Racheplänen abzuhalten. Cataleya fühlt sich im Stich gelassen und sucht Trost in den Armen ihres Liebhabers Danny (Michael Vartan). Ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit wird ihr zum Verhängnis.

Zoe Saldana, die zuletzt mit Stimme und Gestik die blaue Häuptlingstochter in Avatar zum Leben erweckte, verkörpert die von Rachedurst getriebene Killerin gleichermassen brutal, menschlich und weiblich. Catalayas Opfer sind immer auch Ausdruck ihres inneren Schmerzes. Sie hinterlässt ein Bild, das ohne Frage Drehbuchautor Luc Bessons Handschrift trägt: die Heldin mit dem Raketenwerfer in der Hand und der Träne im Auge. Mit einem relativ klein gehaltenen Budget von 40 Millionen Dollar und dem Regiestil von Oliver Megatone, der gerne gleichzeitig mit mehreren Kameras dreht, wurde mit Colombiana ein Werk geschaffen, das - wie auch seine Protagonisten - nie zur Ruhe kommt.

Der Film ist voller hübscher Wendepunkte. Um so mehr erstaunt, dass der letzte grosse Umbruch, eingeleitet von einer nie zuvor gesehenen Person, die danach auch gleich wieder verschwindet, derart sorglos konstruiert wurde. Daneben irritieren die holprigen Bildverzögerungen innerhalb der Actionszenen. Überhaupt wirkt das Bild mit seinen kontrastreichen, übersättigten Farben, die ins Gelb-Grünliche ziehen, etwas abgegriffen. Wie dem auch sei: Spätestens wenn Saldana sternhagelvoll und mit einem Riesenkaracho die Leinwand stürmt, freut sich der geneigte Zuschauer auf die kommenden eineinhalb Stunden.

15.09.2011

4

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Kommentare

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oscon

vor 6 Jahren

Wenn Regisseur, Produzent und Drehbuchautor Luc Besson seine Hand im Spiel hat, kommt meist ein Actionfeuerwerk der brutalen Sorte dabei raus.
Im Prinzip entspricht die Geschichte von Colombiana der Idee, wenn Mathilda aus "Léon - der Profi" effektiv eine Killerin geworden wäre und die Familie gerächt hätte: Anstelle eines Mädchens aus New York, wurde die Geschichte nach Kolumbien resp. die ganze Welt verlegt.
Allerdings ist die Geschichte visuell so stark umgesetzt, dass nie Langeweile bis zum Showdown aufkommt.
Zoe Saldana zeigt die seelisch verletzliche Killerin in gewohnter Besson'scher Manier. Stark! 4 Sterne (****)Mehr anzeigen


MrsStraciatella

vor 6 Jahren

super Film, wurde nicht enttäuscht!


kebabsan

vor 6 Jahren

Besser als befürchtet, Luc Besson kann es also doch noch;)


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