50/50 - Freunde fürs (Über)Leben USA 2011 – 100min.

50/50 - Freunde fürs (Über)Leben

Filmkritik

Der Kumpel mit dem Krebs

Andres Hutter
Filmkritik: Andres Hutter

Ein 27-jähriger geht mit Rückenschmerzen zum Arzt und mit der Diagnose Krebs wieder nach Hause. Dies ist nicht gerade die beste Ausgangslage für einen lustigen Film, doch genau das will 50/50 sein. Und weil Regisseur Jonathan Levine jederzeit den richtigen Ton trifft, gelingt das sogar ausgezeichnet - auch wenn die "Krebs-Komödie" keineswegs nur zum Lachen ist.

Es gibt gute Gründe, warum es nur ganz wenige Vertreter des Genres "Krebs-Komödie" gibt. Es gibt Statistiken, die besagen, dass ein Drittel aller Europäer in Verlaufe ihres Lebens einen Krebs entwickelt. Einer tödlichen Krankheit, von der praktisch jeder betroffene Personen kennt, ist mit Humor nur schwer beizukommen. Manchmal geht das aber trotzdem: Judd Apatow gelang vor einigen Jahren mit Funny People ein lustiger Film, in dem die Hauptfigur an Krebs erkrankt und der weder geschmacklos noch sentimental ist. Dies lag unter anderem an Darstellern wie Seth Rogen.

Und der versucht dieses Kunststück als Produzent und Schauspieler mit 50/50 also erneut. Er spielt Kyle, den besten Freund des von Joseph Gordon-Levitt verkörperten Krebspatienten Adam. Die beiden verbindet eine kumpelhafte, unverbindliche Männerfreundschaft, die an der plötzlichen Ernsthaftigkeit von Adams Situation zu zerbrechen droht. Besonders der Kindskopf Kyle pflegt einen recht eigenwilligen Umgang mit der Krankheit seines besten Freundes: So rät er ihm als erstes, die Krankheit dazu zu nutzen, in einer Bar Frauen aufzureissen. Auch Adams Beziehung zur behütenden Mutter (Anjelica Huston) wird durch die Krankheit schwerer, und seine Freundin ist schliesslich vollends überfordert.

50/50 gelingt es, lustig und manchmal sogar derb, aber nie geschmacklos zu sein und schafft zudem unglaublich rührende Momente, ohne je in übertriebene Sentimentalitäten abzudriften. Dafür zeichnen sich zwei eher unbekannte Namen verantwortlich: Regisseur Jonathan Levine hat mit dem äusserst empfehlenswerten The Wackness zwar schon mal eine feine Komödie abgeliefert, die hierzulande aber nicht in die Kinos kam. Und Autor Will Reiser liefert hier gar sein allererstes Drehbuch ab, in dem er seine eigene Krebserkrankung verarbeitet.

Der Humor in 50/50 entsteht vor allem aus den wunderbaren Figuren. Besonders gelungen ist dies mit der von Anna Kendrick gespielten jungen Psychiaterin, die Adam aufgezwungen wird, mit der Sache aber sichtlich überfordert ist. Kendrick, die schon in Up in the Air mit trockenem Witz auffiel, spielt diese Rolle ausgezeichnet. Sie und der übrige ausgezeichnete Cast sorgen zusammen mit dem starken Drehbuch und der feinfühligen Inszenierung dafür, dass das Experiment "Krebs-Komödie" beinahe durchgehend bestens gelingt.

19.01.2015

4

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Kommentare

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Barbarum

vor 6 Jahren

Sowohl humor- als auch gefühlvoll erzählt. Kann man nichts daran aussetzen.


n4ever

vor 7 Jahren

wunderbar erzählt, lustig, traurig, alles was ein guter film braucht


Gelöschter Nutzer

vor 7 Jahren

Originell, lustig und locker erzählt mit einem Schwerpunkt. So ehrlich. So zeitgemäß. Über Romantik, einen Kumpel, die Familie oder ein Haustier. Keiner denkt nach für wen oder wie es ausgeht. Es macht sich keiner Gedanken über diese Krise. Dann ist da noch das Arzt-Patienten Verhältnis... Das Rückgrat unserer Bindungen, die jeder so eingeht... Getroffener Titel. Sehr gute Besetzung. Saubere Regie. Genialer Wurf. Nach dem Kino brauchte ich unbedingt ein Nachschlag von einer DVD: Sweet NovemberMehr anzeigen


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