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Sinestesia Schweiz 2010

Sinestesia

Filmkritik

Ehebruch und Strafe

Geri Krebs
Filmkritik: Geri Krebs

Erik Bernasconi erzählt in seiner ersten Regie-Arbeit von den Schicksalsschlägen, die über vier junge Erwachsene hereinbrechen. Dazu reizt der Tessiner die landschaftlichen Schönheiten seines Heimatkantons geschickt aus, beweist aber auch einen beachtlichen Mut zum existenziellen Drama. Da stört auch die Präsenz von Melanie Winiger in einer der Hauptrollen nicht zu sehr.

Alan (Alessio Boni) ist mit Francoise (Giorgia Wurth) verheiratet, doch er betrügt sie mit Michaela (Melanie Winiger). Dafür folgt die Strafe auf dem Fuss, denn die beiden verunglücken mit dem Motorrad in den Tessiner Bergen, eine Art Teufelsgestalt hat den Unfall verursacht. Sie überleben, Michaela ist nur mittelschwer verletzt, während Alan fortan im Rollstuhl lebt. Francoise verzeiht Alan die Untreue und schafft es, ihren Gatten dauerhaft von der Geliebten fernzuhalten. Schliesslich gibt es noch Igor (Leonardo Nigro), Alans besten Freund; er beginnt einige Zeit nach Alans Unfall mit Michaela anzubändeln.

Erzählt wird dieses Drama - dessen Titel sich die Fähigkeit zur Wahrnehmung mit allen Sinnen bezeichnet - auf zwei Zeitebenen und in vier Episoden, die mit den Namen der Protagonisten betitelt sind. Das ist so ambitioniert wie anfänglich etwas reisserisch; bereits nach drei Minuten liegt Alessio Boni mit Melanie Winiger im Gras und darf der Ex-Miss kurz die Brüste kneten. Bereits wenige Minuten später fliegen die beiden im hohen Bogen vom Motorrad. Nach dieser Exposition sind die Erwartungen für die erst jetzt beginnende Tragödie schon etwas reduziert, doch man wird angenehm überrascht.

Das Spielfilmdebüt des Tessiners darf sich ruhig sehen lassen. Daran ändert auch die eher bescheidene schauspielerische Leistung Melanie Winigers nichts. Wenn sie Igor etwa eröffnet, sie "studiere jetzt Psychologie in Barcelona", nimmt man ihr das so wenig ab wie jene Szenen, in der sie sich nach der Entlassung aus dem Spital verzweifelt bemüht, mit Alan in Kontakt zu treten. Doch solche Momente purer Behauptung werden wett gemacht durch die überragende Präsenz des mit beachtlicher Leibesfülle glänzenden Leonardo Nigro, der hier zweifellos eine der besten Rollen seiner Karriere spielt. Reizvoll umgesetzt ist ausserdem die Idee, die verschiedenen Kapitel als unterschiedliche Genres zu gestalten. So gibt sich "Sinestesia" mal als Thriller mit Horrorelementen, dann als romantische Komödie, wird zum Melodrama und schliesslich ein Drama.

Das wirkt zwar manchmal etwas unausgegoren, und der Wille, die zirkuläre Erzählstruktur unbedingt einzuhalten, führt gelegentlich zu etwas vorhersehbaren Wendungen. Doch das sieht man diesem ambitionierten Debüt dank durchgehaltener Spannung gerne nach.

25.01.2010

3

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