Lo mas importante de la vida es no haber muerto 2010 – 82min.

Lo mas importante de la vida es no haber muerto

Filmkritik

Doppelleben während einer Diktatur

Rolf Breiner
Filmkritik: Rolf Breiner

Das Leben kann eine einzige Enttäuschung oder auch Täuschung sein. Im Erstlingsfilm des spanisch-schweizerischen Kollektivs Olpama verwischen sich die Grenzen zwischen vordergründigem und hintergründigem Leben, Realität und Manipulation - zur Zeit der Franco-Diktatur.

Nacht über den Gassen. Ein Mann ist unterwegs. Auf der Flucht? Häscher streifen umher. Eine Frau nimmt ihn in Schutz - in Obhut? Diese Eingangssequenz wird sich erst im Laufe des Films aufschlüsseln. Zurzeit der Franco-Diktatur werden Menschen verfolgt, in den Untergrund, zu Verrat und Täuschung getrieben. Viele Menschen wahren den Schein, um nicht unterzugehen, und führen quasi ein Doppelleben.

Klavierstimmer Jacobo (Emilio Gutiéttez Caba) hat sich eingerichtet und ist zufrieden. Während er selig schläft, stimmen sich die Klaviere selber. Doch das hört schlagartig auf, als er keinen Schlaf mehr findet. Nun muss er sich selber kümmern. Hinzu kommt, dass er nächtens einen Mann in seinem Haus entdeckt, der auftaucht und verschwindet. Halluzination oder Realität? Seine Frau Helena (Mercé Montalà) beschwichtigt, redet ihm die Erscheinung aus. Doch der Spuk geht weiter. Jacobo beginnt, an seinem Verstand zu zweifeln. Immer wieder tauchen Bilder und Episoden aus vergangenen Jahren auf. Gegen Schluss verdichten sie sich und klären sich auf.

Der Titel deutet schon auf ein Doppelspiel hin. Auch ein Leben im Untergrund, im Verborgenen und Geheimen ist ein Leben. Und manchmal werden Menschen gezwungen, ihre Existenz zu verleugnen, um zu überleben. Um diesen Problemkomplex dreht sich das tragikomische Beziehungs- bzw. Gesellschaftsdrama um den Klavierstimmer und seine Frau, die beide ein Doppelleben führen. Die Umstände haben dazu geführt. Übersetzt heisst das. Die Diktatur und die Gesellschaft haben zu dieser privaten Manipulation und Täuschung, zu Realitätsverzerrungen und Fadenscheinigkeit geführt. Dass am Ende Verrat und Verführung vergeben und sanft aufgelöst werden, mag man hinnehmen, auch wenn dadurch der Film etwas magisch-märchenhaft ausklingt.

Das spanisch-schweizerische Filmerkollektiv Olpama stellt mit seinem klug strukturierten Spielfilmerstling ein bemerkenswertes, vieldeutiges Werk vor. Man kann es als Parabel über Menschen lesen, die immer wieder ein Doppelleben unter Zwängen führen - privat wie gesellschaftlich. Und das nicht zu Zeiten der Franco-Diktatur. Hinter dem Kürzel Olpama vestecken sich übrigens die Filmer Olivier Pictet aus Genf, Pablo Martin Torrado aus Madrid und Marc Recuenco Bigordà aus Barcelona.

03.09.2014

4

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