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Rocksteady: The Roots of Reggae Kanada, Schweiz 2009 – 90min.

Rocksteady: The Roots of Reggae

Filmkritik

Schaukeln zu sanften Beats und kräftigen Farben

Geri Krebs
Filmkritik: Geri Krebs

Der erste Kinofilm von Stascha Bader ist eine farbenfrohe und clever konzipierte Liebeserklärung an einen traditionellen Musikstil Jamaikas, der für die Entwicklung des Reggae bahnbrechend war.

"People get ready, time to rocksteady", singt zu Beginn der charismatische Wilburn Theodore Cole mit seiner Band im Aufnahmestudio in einem Aussenquartier der jamaicanischen Hauptstadt Kingston. Der 1945 geborene und besser unter seinem Künstlernamen "Stranger Cole" bekannte Sänger fungiert als musikalischer Leiter eines Projektes, das ein gutes Dutzend Musiker zusammenbringt, die sich teilweise seit mehr als vierzig Jahren nicht mehr gesehen haben und von denen einige in der Vergessenheit zu versinken drohten.

Gleichzeitig führt der vitale Reggae-Pionier Cole als Erzähler durch eine musikalische Spurensuche, die in der Umbruchzeit des gerade unabhängig gewordenen Jamaica spielt. Hatten bis Mitte der 1960er Jahre die schnellen Rhythmen des Ska die Karibikinsel dominiert, so wurde laut der Legende ab 1966 wegen einer extremen Hitzewelle der Beat verlangsamt - der Rocksteady war geboren. Stascha Baders Film lässt diese musikhistorischen Fakten mit zahlreichem Archivmaterial plastisch werden, bleibt dabei aber stets beim Bezug zur Gegenwart, führt durch zahlreiche Musikerbiografien, und endet mit einem krönenden Abschlusskonzert aller Beteiligten in Kingston.

Es war längst Zeit, dass nach all den zahlreichen musikalischen Dokumentarfilmen über die Traditionen von Jamaicas Nachbarinsel Kuba sich endlich einmal jemand der jamaicanischen Rhythmen, Tänze und Melodien annahm. Natürlich irritiert auf den ersten Blick, dass dies einmal mehr ein Europäer ist. Doch man muss Stascha Bader zu Gute halten, dass er wohl einer der profundesten Kenner von Reggae und Anverwandtem ist: Er hat vor kurzem an der Universität Zürich eine Dissertation zum Thema abgeschlossen.

Doch "Rocksteady - Roots of Reggae" hat keinen akademischen Gestus, vielmehr ist es eine sinnliche und farbenfrohe Reise durch ein musikalisches Universum, das allgemein nur wenig bekannt ist. Allerdings kann man als Laie nur staunen, wie viele weltbekannte Ohrwürmer ("By the Rivers of Babylon" oder "Tide Is High") in jener Zeit entstanden, die dann viel später von anderen Bands gecovert und zu Welthits gemacht wurden.

Dass auf der Bildebene andererseits in gewissen Momenten die opulenten Tropenclichés gelegentlich etwas aufgesetzt wirken, verzeiht man dem Film gern. Denn Kameramann Piotr Jaxa erweist sich - einmal mehr - als Meister visueller Umsetzung von Stimmungen, Tönen und Melodien und verhilft so einem ansprechenden Dokumentarfilm zu einigen Momenten von grosser athmosphärischer Dichte.

10.06.2010

4

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Kommentare

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gefuehlsmensch

vor 5 Jahren

cool gemacht.


celia77

vor 10 Jahren

Der Film ist definitiv ein Meisterwerk. Mit MusikerInnen, die Musikgeschichte geschrieben haben. Wunderschöne Bilder, witzig, emotional und mit viel guter Musik. Genau das, was man bei diesem Wetter sehen will! Ein bisschen Wärme.


mgentinetta

vor 10 Jahren

Geht ans Herz!


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