Lila, Lila Deutschland 2009 – 107min.

Lila, Lila

Filmkritik

Das ist Hochkultur, du Arschloch!

Tobias Asch
Filmkritik: Tobias Asch

Eine Satire auf die Literatur-Szene und eine romantische Komödie im Doppelpack: die in schweizerisch-deutscher Zusammenarbeit entstandene Filmadaption von Martin Suters gleichnamigem Bestseller bietet stimmungs- und temporeiches Kino mit einer Top-Besetzung.

Der Kellner David Kern (Daniel Brühl) ist mit seiner schüchternen Unbedarftheit für seine Umwelt quasi unsichtbar. Leider auch für die hübsche Literaturstudentin Marie (bezaubernd: Hannah Herzsprung), die an seinem Arbeitsplatz oft Literatur diskutiert, umringt von dünkelhaften Kommilitonen, die David gerne wissen lassen, welche Welten zwischen ihm und ihr liegen. Da wäre kein Herankommen, würde ihm nicht der Zufall ein unveröffentlichtes Roman-Manuskript aus den 1950er-Jahren in die Hände spielen.

Die Idee ist schnell geboren: David gibt das Werk als das eigene aus, erobert damit flugs Maries Herz und kurz darauf die deutsche Literaturszene. Der überforderte Schwindler muss sein falsches Spiel nun nicht nur gegenüber Marie durchziehen, sondern sieht sich auch bald mit dem angeblich echten Autoren Jacky konfrontiert (Henry Hübchen), der seinen Teil vom Kuchen will und David durch das Haifischbecken des Literaturbetriebs jagt. Die Ausgangslage der klassischen Hochstapler-Komödie bietet damit auch Potential für allerlei Seitenhiebe auf die schillernde Literatur- und Medienszene.

Die Besetzung könnte passender nicht sein. Dauer-Jungstar Daniel Brühl hat sich in der Rolle des unscheinbaren Burschen, der zwischen Sein und Schein herumschlittert, von «Good Bye, Lenin» bis «Inglorious Basterds» zur Perfektion getrimmt. Er war es denn auch, der zusammen mit dem Schweizer Regisseur Alain Gsponer vor vier Jahren nach Ibiza reiste, um Martin Suter von den Qualitäten des Filmprojektes zu überzeugen - mit Erfolg.

«Lila, Lila», von Suter als Abrechnung mit dem Literaturbetrieb geschrieben und dreihunderttausendfach verkauft, hat ein neues Ende und eine etwas andere Ausrichtung bekommen, mit einer höheren Gewichtung im Romantik-Segment. Wenn Jacky, die Nervensäge, seinen Punkt an der Frankfurter Buchmesse mit "Das ist Hochkultur, Du Arschloch" klarmacht, dann ist dies der Höhepunkt der Literaturzirkus-Satire. Der Rest ist gefühl- und stimmungsvolles Kino, das es schafft, nie in den Kitsch abzudriften.

Die Weltpremiere fand im September 2009 unter grossem Applaus am 5. Zurich Film Festival statt.

03.02.2010

4

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Kommentare

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Urs23

vor 7 Jahren

Gute schauspielerische Leistung, Story solala.


anabah

vor 8 Jahren

Als Martin-Suter-Fan muss ich sagen, dass ich vom Film enttäuscht bin. Ich hätte mehr erwartet. Der "richtige" Autor Jackie Stocker ist ein ekelhafter Typ, an dem ich mich total genervt habe. Daniel Brühl spielt hingegen toll, wie immer. Der Film ist nette Unterhaltung, jedoch nicht mehr.


isabel1984

vor 8 Jahren

ein leichter Film über einen jungen Mann, der versucht, sich mit einer Notlüge interessant zu machen


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