CH.FILM

Tandoori Love Österreich, Deutschland, Schweiz 2008 – 100min.

Tandoori Love

Filmkritik

Reize aus Bollywood in den Berner Alpen

Thomas Hunziker
Filmkritik: Thomas Hunziker

In der Alpen-Romanze des Schweizer Regisseurs und Drehbuchautors Oliver Paulus verliebt sich ein indischer Koch in eine frisch verlobte Schweizerin. Die Mischung aus Bollywood-Kitsch und Alpen-Romantik kann durch ästhetische Reize punkten, ist aber wegen des unausgegorenen Drehbuchs ein wenig misslungen.

Sonja (Lavinia Wilson) ist im Berner Oberland Kellnerin im Gasthaus ihres Freundes Markus (Martin Schick), der sich soeben ziemlich unverhofft mit ihr verlobt hat. Da trifft sie in der Migros auf Rajah (Vijay Raaz), den Koch eines indischen Filmteams, der sich augenblicklich in Sonja verliebt. Er lässt sich im Gasthaus anstellen und begeistert Markus mit seinen Kochkünsten. Langsam gibt auch die distanzierte Sonja dem Charme ihres Anbeters heimlich nach. Auf dem Filmset ist derweil die Hölle los: Die indische Diva Priya Dhavan (Shweta Agarwal) verweigert ohne ihren Leibkoch die Arbeit.

Die Geschichte von «Tandoori Love» ist durchaus nicht abwegig, entstehen doch immer wieder indische Filme in den malerischen Schweizer Alpen. Oliver Paulus - nach eigenen Angaben «passionierter Koch und profunder Bollywood-Kenner» - hat nun versucht, seine Vorlieben zu vermählen. Das ist im formal weitgehend gelungen, insbesondere die Aufnahmen von der Essenszubereitung sind ein schmackhafter Traum.

Auch die Alpenkulisse mit Eiger, Mönch und Jungfrau wurde von Kamerafrau Daniela Knapp verlockend eingefangen. Nicht ganz so opulent sind die Tanznummern ausgefallen. Sie erinnern zudem teilweise stark an die Werbung des im Film grosszügig vertretenen Lebensmittelhändlers. Die Inszenierung dieser Ausflüge in die Fantasie lässt sich sicher nicht mit dem Prunk von schwelgerischen Bollywood-Produktionen messen. Dennoch verleihen die Musikeinlagen der Liebeskomödie den nötigen Charme.

Gleiches lässt sich vom unausgegorenen Drehbuch, dem grossen Schwachpunkt des Films, nicht behaupten. Viele Szenen wirken durch die hölzernen Dialoge mittelmässig improvisiert. Der Zusammenhang zwischen den manchmal abrupt beendeten Szenen lässt sich selten logisch herleiten. Vielleicht ist diese Sprunghaftigkeit beabsichtigt, ungelenk wirkt sie trotzdem. Wie schon in «Nur ein Sommer», der anderen Heimatromanze aus diesem Jahr, sorgen ausserdem die kulturellen Differenzen zwischen Berglern und Indern eher oberflächlich und plump für derben Humor. «Tandoori Love» ist ein zwischendurch schwungvoller, meist aber eher holpriger Liebesfilm.

16.01.2009

3

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Kommentare

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flutterby1

vor 9 Jahren

Die Kritiken für diesen Film waren sehr gemischt, aus meiner Sicht fand ich ihn hinreissend - nicht zuletzt wegen der Schauspieler, die wirklich sehr originell waren.
Die Story ist sehr einfach: Eine indische Filmcrew dreht einen Bollywood Film in der Schweiz. Der Koch verliebt sich im Supermarkt in eine Schweizerin und wird auf Umwegen Koch im Restaurant des Schweizer Verlobten. Alleine die Kochszenen machen Appetit und zelebrieren den Genuss. Die Umsetzung und die vielen Details die Indisches und Schweizer Bollywood bzw. Kultur auf die Schippe nehmen, machen den Film sehenswert.
Bei so machen Szenen z. B. wenn plötzlich Bollywood-Tanzszenen im schweizer Umfeld passieren, irritieren anfangs, aber daran gewöhnt man sich schnell und findet sie sehr skurril.

FAZIT: ein sehenswerter Film, schön für einen Sonntag Nachmittag! Man geht unweigerlich mit einem Lächeln aus dem Kino.Mehr anzeigen


oooli

vor 9 Jahren

wunderschöni bilder!!!!


oberon7

vor 9 Jahren

Wer dem Zauber indischer Verführungs- und Kochkünsten erliegen will, braucht nur den Weg zum nächsten Kino zu gehen. In der wirklich unschweizerisch witzigen Komödie weben sich zwei Kulturen die unterschiedlicher nicht sein können so kunstvoll und beherzt ineinander, dass es eine Freude ist! Was die Bollywoodschönheit nicht kann, die Filmtränen, schafft die Schweizerin und was der schweizer Wirt nicht kann schafft der indische Koch. Völlig unverkrampft und locker, ohne Drehbuchverkrampfung und erzwungen budgetiertem Tiefsinn!
Ich wunderte mich von Szene zu Szene und von cut zu cut mehr, dass so etwas ein Schweizer fertig bringt. Ich zweifelte daran und doch so etwas kann nur ein Schweizer, der allerdings sehr fasziniert von der indischen (Film-) Welt sein muss.
Wer also mal sich und seine Welt in der er/sie lebt mal ganz anders und ein würziges Wunder erleben will: ab ins Kino.Mehr anzeigen


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