Zeiten des Aufruhrs Grossbritannien, USA 2008 – 118min.

Zeiten des Aufruhrs

Filmkritik

Das Problem ohne Namen

Sonja Eismann
Filmkritik: Sonja Eismann

Mit seiner Verfilmung von Richard Yates' Roman bringt Sam Mendes das Leinwand-Liebespärchen Kate Winslet und Leonardo DiCaprio in einer mitunter theatralisch gespielten, aber kraftvollen und beeindruckenden Studie des erstickenden 1950er-Jahre-Biedermeiers wieder zusammen.

Suburbia, USA, in den 1950ern. Das Ehepaar April (Kate Winslet) und Frank Wheeler (Leonardo DiCaprio) lebt mit seinen zwei kleinen Kindern in der Nähe von New York, wo Frank einem öden Bürojob nachgeht. Jeden Morgen wird er mit einer amorphen Masse anderer Office Men am Bahnhof ausgespuckt, am Abend kommt er heim zu einer Ehefrau, die sich in der spießigen Vorortidylle wie in einem Gefängnis fühlt. Dabei hatten sie als junges Liebespaar so hochfliegende Vorstellungen von dem, was das Leben noch für sie bereit halten sollte. In einem Moment von Aufruhr beschließt April, dass die Familie nach Paris umziehen soll, wo sie als Sekretärin für die Familie sorgen will, während Frank herausfindet, was seine tatsächliche "Bestimmung" im Leben ist. Doch das erstickende Klima des Nachkriegs-Amerika wie auch Franks Bedürfnis nach Sicherheit rütteln an der Entscheidung.

Natürlich fragt man sich als erstes, was passiert, wenn Regisseur Sam Mendes ("American Beauty") hier seine Frau Kate Winslet zum ersten Mal wieder mit ihrem Loverboy aus der Megaschmonzette "Titanic" zusammenbringt. Doch interessanterweise vergisst man diesen Aspekt sofort nach den romantischen Eingangssequenzen, wenn das profane Alltagsleben einsetzt, in dem man - beinahe schon ein Tabubruch - beide Stars ganz ungeschminkt, mit allen alterstypischen Fältchen und Linien in den besorgten Gesichtern, im Anrennen gegen Konventionen einerseits und Sicherheitsbedürfnis andererseits beobachten kann. Die Romanvorlage von Richard Yates aus dem Jahr 1961 kritisiert den Verrat an uramerikanischen Idealen wie Aufbruchsgeist und Offenheit - für die April Wheeler steht -, die von der Hetzjagd auf Kommunisten während der McCarthy-Ära kompromittiert worden seien.

Im Rückblick liest sich die Filmadaption jedoch eher wie eine Bebilderung des feministischen Klassikers von Betty Friedan aus dem selben Jahr, "The Feminine Mystique", in dem diese konstatierte, dass all die Vorort-Hausfrauen, die doch alles hätten, aber trotzdem an allerlei Depressionen litten, aufgrund der Leere ihrer perfekten Existenz zwischen Mann, Kindern und Haushalt am berühmten "problem with no name" laborierten. Denn auch wenn Franks Leben von einer "hopeless emptiness" geprägt ist, so hat er zumindest noch die Wahlmöglichkeit, seinen Job zu kündigen oder eine Affäre einzugehen - April hingegen hat absolut keine Entscheidungsfreiheit. Die Hoffnungslosigkeit ihrer eng verschnürten Existenz kontrastiert drastisch mit den strahlend schönen Bildern ihrer Umgebung und macht so die Diskrepanz zwischen Innen und Außen noch sichtbarer. Am Ende bleibt nur noch die Frage: Wieso wählt der gesellschaftskritische Mendes 2008 diesen Stoff? Bleibt zu hoffen, dass die Antwort nicht ein neues Biedermeier ist.

22.02.2017

4

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Kommentare

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rufusell

Grossartig! Toller Soundtrack, gute Darsteller, wie ein Drama sein sollte. Sam Mendes ist in dem ein Meister.

Zeiten des Aufruhrs 4

Gelöschter Nutzer

Sam Mendes mit einem Drama über mehr Beachtung, Interesse, vom Zuhören und Wesentlichen. Kate Winslet und Leonardo DiCaprio wirklich ein Traumpaar für Filme.

Zeiten des Aufruhrs 0

Kira321

" Ein Drama allererster Klasse! "

Endlich - das Titanictraumpaar ist zurück. Wie könnte man nur über " Zeiten des Aufruhrs" schreiben, ohne Titanic zu erwähnen? James Camerons Erfolgsfilm machte vor vielen Jahren aus Kate Winslet und Leonardo DiCaprio das romantischste Pärchen der damaligen Filmgeschichte.
So schafft es Regisseur Sam Mendes leicht, das Vertrauen des Publikums zu gewinnen.

Große Pläne und Träume haben das junge Ehepaar April (Kate Winslet) und Frank Wheeler (Leonardo DiCaprio), als sie sich in den 50 er Jahren in einem eher spießigen Vorort in Connecticut niederlassen. Beide glaubten, sie könnten dem konventionellen und prüden Alltag entfliehen, und bemerken allerdings sehr schnell, dass sie selbst zu denjenigen Spießer geworden waren, die sie anfangs verachtet haben. Frank als typischer " Anzugsangestellter", der eigentlich nie wusste was er aus seinem Leben machen wollte und April als verblasste Hausfrau, die ihre eigentlichen Träume aus den Augen verloren hatte.
Sie stellen sich schlussendlich die Frage, ob sie nicht endlich ihre Träume von damals verwirklichen wollen, um aus dieser Konstellation - Alltag und Selbstenttäuschung - entfliehen zu können.

Mit der Verfilmung des gleichnamigen Buches von Richard Yates, schafft es Regisseur Sam Mendes eine Geschichte ans Licht zu bringen, die von den Worten lebt, die nicht ausgesprochen werden. Gefühle und Bedürfnisse, die durch die Mimik und Gestik der erstklassigen Schauspieler gezeigt werden, lassen dem Publikum den Eindruck erwecken, selbst diesen grauen Alltag des Paares zu erleben.
In heftigen Konflikten und Emotionen, prallen die zwei Charaktere (Kate und Leo) aufeinander und beweisen damit, ihre schauspielerische Leistung, mit dem bewegenden Drama aus Liebe, Träume und Hoffnung, sogar noch zu toppen.
" Zeiten des Aufruhrs" ist ein brillanter Einblick in das Gefecht, zwischen Angst und Zwang, den wir als Zuschauer nur zu gut nachvollziehen können. Ohne Zweifel, Sam Mendes hat mit seinem Können und mit seinem Vertrauen an die Hauptdarsteller, ein erstklassiges Drama erschaffen.
Zu Recht ist " Zeiten des Aufruhrs - Revolutionary Road", viermal bei den Golden Globes (darunter gewonnen: " Beste Hauptdarstellerin" - Kate Winslet) und dreimal bei den Oscars nominiert gewesen.

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