Birdwatchers - Das Land der roten Menschen Brasilien, Italien 2008 – 104min.

Birdwatchers - Das Land der roten Menschen

Filmkritik

Schwindende Tropen

Filmkritik: Cindy Hertach

Rinderzucht, Monokulturen und Raubbau zerstören den brasilianischen Regenwald und mit ihm die Menschen, die ihn bewohnen. Marco Bechis' Drama über den stoisch ausgetragenen Kampf der Guarani-Kaiowá um ihr angestammtes Land wirft ein trauriges Schlaglicht auf die bedrohte Existenz der letzten Urwaldvölker.

Eine Gruppe von Guarani-Kaiowá-Indianern verlässt nach dem Selbstmord zweier Jugendlicher ihr Reservat, um sich neben dem Land eines Grossgrundbesitzers niederzulassen. Einst dicht bewaldet und von Indianergemeinschaften bevölkert, ist das bis auf einzelne Bäume gerodete Gebiet seit mehr drei Generationen im Besitz einer erfolgreichen Rinderzüchter-Dynastie. Mit der Rückkehr in ihren traditionellen Lebensraum hoffen die verzweifelten Ureinwohner, ihre von Selbsttötung und Alkoholismus bedrohte Sippe zu retten. Da der offizielle Besitzer des Landes keine rechtliche Handhabung gegen die friedliche Besetzung hat, versucht er, die stetig wachsende Gruppe mit eigenen Mitteln zu vertreiben.

Nüchtern und unprätentiös inszeniert, orientiert sich "Birdwatchers" nicht nur ästhetisch an der Wirklichkeit: In Brasilien breitet sich unmittelbar neben der smaragdgrünen und stetig schrumpfenden Fläche des Regenwalds ein immer grösserer rotbrauner Ackerlandteppich aus, der auch den Lebensraum der rund 460'000 Ureinwohner verschluckt. 12% dieses brasilianischen Bodens wurde als indigenes Land bestimmt, 0% ist in indigenem Besitz. Filmemacher Marco Bechis hat das Schicksal dieser vom Staat entmündigten Völker jahrelang mitverfolgt. Während seiner Recherchen stiess er auf die Guarani-Kaiowá, eine Gemeinschaft, die eine vor Jahrzehnten auf dem Land des Stammes erbaute Farm besetzte. Ihre von Entwürdigung geprägte Geschichte und ihre täglichen Streitigkeiten mit den Grossgrundbesitzern liess der in Italien lebende Exil-Chilene Bechis in sein Drehbuch einfliessen.

Weit davon entfernt, die Indianer - Laiendarsteller, die er aus dem Stamm der Guarani-Kaiowá gecastet hat und denen er so eine Stimme geben wollte - auf das stereotype Bild des edlen Wilden zu reduzieren, gibt Bechis den Blick frei auf eine Gesellschaft ausgeprägter Individualisten. Ihr verzweifelter Überlebenskampf vor dem Hintergrund der Landfrage ist ein Kampf zwischen Indianern und Weissen - und somit auch zwischen Armut und Reichtum, Umweltschutz und Profitgier. Als heimlicher Höhepunkt an den Filmfestspielen in Venedig von 2008 gehandelt, rüttelt Birdwatchers als beeindruckendes Drama über die unmittelbaren Auswirkungen des Kolonialismus auf.

22.06.2009

5

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