Die Fremde in Dir Australien, USA 2007 – 116min.

Filmkritik

Eine Frau sieht rot

Filmkritik: Dominique Zahnd

Heikel, heikel: Bei diesem Thema hätte viel schief laufen können. Doch Neil Jordan hat sein Selbstjustiz-Drama nicht mit Irgendjemandem besetzt - sondern mit Jodie Foster. Und die ist schliesslich eine zweifache Oscar-Preisträgerin.

Sie spielt eine Frau, die mit einem Schiesseisen in der Hand auf New Yorks Strassen aufräumt. Die von Jodie Foster eindrücklich porträtierte Erica Bain ist Radiomoderatorin, die New York liebt und diesem Umstand in ihrer Sendung «Street Walk» gerne Ausdruck verleiht - und zwar mit kleinen, hübschen Stories.

Doch dann geht sie mit ihrem Verlobten David im Central Park spazieren, der Hund läuft ihnen davon und plötzlich stehen drei fiese Schläger vor ihnen. David wird totgeprügelt, Erica schwer verletzt. Nach einigen Wochen sind die Prellungen verschwunden, aber die Seele immer noch lädiert. Es muss was passieren: Also besorgt sie sich eine Knarre. Und die braucht sie auch schon bald. In einem Laden wird vor ihren Augen der Besitzer erschossen. Bevor der Gangster auch sie umlegen kann, feuert sie wild um sich. Aus Notwehr. Erica hat Blut geleckt. In der U-Bahn kommt es zur nächsten Konfrontation - diesmal schon fast gesucht. Der Racheengel findet Gefallen am Machtgefühl und macht unbeirrt weiter. Die Presse greift das Thema auf. Doch ist sie nun eine Heldin? Oder eine durchgeknallte Irre? Daraufhin macht sich ein Detective auf ihre Spur.

Dieser Film ist kein klassischer Rache-Thriller wie «Ein Mann sieht rot». Die Antiheldin ist innerlich zerrissen. Selbstkontrolle scheint unmöglich, wenn gelcihesam jede Faser des Körpers nach Rache sinnt. Dabei möchte Erica Bain insgeheim aufgehalten werden. Denn was sie ausübt, ist leidenschaftslose Selbstjustiz. Und sie wird sich selbst immer fremder.

Foster spielt diese Figur getrieben, verletzt, machthungrig und unbarmherzig. Zwischen ihr und Filmpartner Terrence Howard, oscarnominiert für seine Hauptrolle in «Hustle & Flow», besteht eine intensive Spannung, die Regisseur Neil Jordan in starken Bildern einfängt. Seine Inszenierung ist schnörkellos, die Kamera manchmal gehetzt, manchmal einfach nur verharrend und lauernd. Doch am Ende überspannt er den Bogen mit der Story: Der Blutdurst gerät ausser Kontrolle, Recht und Unrecht verwässert sich ins Fragwürdige beim politisch unkorrekten Finale. "The Brave One" testet jedenfalls die Moral des Zuschauers - und regt zum Nachdenken an.

15.02.2024

3

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Kommentare

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Gelöschter Nutzer

vor 14 Jahren

Es ist kein echtes Remake des Films mit Charles Bronson, denn dieser Film hat noch einige Dimensionen mehr. Abgesehen von der Gewaltschiene, die auch hier mit der Zustimmung der Zuschauer rechnen kann, ist er viel emotionaler gestaltet, was vor allem Jodie Foster transportiert. Sie schafft den Spagat zwischen reaktivem Racheengel und dem gefühlsbetontem Bewusstsein der Kriminalität des eigenen Handelns. Mit guten, schnellen Rückblenden als Wiederholung und Verstärkung der Handlung, unterlegt mit einem sehr melodiösen Titelsong, der bewusst eingesetzt wird und die Grausamkeit etwas abfedert, verfolgt man ihr Zusammengehen mit dem ermittelten Detektiv Terrence Howard, eigentlich ihr Gegenspieler. Aber Parallelen treffen sich eben in der Unendlichkeit. Eine überraschende Wende am Ende bringt eine Lösung, die jeden zufrieden stellen könnte. Gemäß dem Originaltitel ist Jodie übrigens ’Die Mutige’.Mehr anzeigen


christos

vor 16 Jahren

Riskantes Thema, ein sehr bruteler Film, aber spannend! Toll gespielt von Jodie Foster mit einem nicht "typisch" amerikanischem Finale. Einfach super!


raffi44

vor 16 Jahren

ich fand den Film gut.


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