Promise Me This Frankreich 2007 – 127min.

Promise Me This

Filmkritik

Kuh oder Frau?

Filmkritik: Eduard Ulrich

Viele typische Elemente seiner bisherigen Filme kombiniert Emir Kusturica diesmal zu einer etwas platten, dafür aber umso deftigeren Burleske, die von inszenatorischen Details und dem lustvoll agierenden Ensemble getragen wird.

Als die Dorfschule mit der feschen, schon etwas in die Jahre gekommenen Lehrerin mangels Masse geschlossen wird, denn für einen einzigen Schüler ist keine eigene Schule vorgesehen, entscheidet der Grossvater dieses einzigen Schülers kurzerhand: Tsane (Uros Milovanovic), Du bist jetzt erwachsen, Du verkaufst unsere einzige Kuh in der Stadt, kaufst Dir ein Andenken und eine Ikone, dann suchst Du Dir eine Frau und kommst wieder zurück.

In der Stadt sind inzwischen Demokratie und Gobalisierung ausgebrochen, weshalb der Gangsterboss (wieder der wunderbare Miki Manojlovic) seine Methoden umstellen will, ohne damit nachhaltig Wirkung bei seinem in alten Mustern denkenden und handelnden Personal zu erzielen. Gerade hat sich das schmierige Gangstergrüppchen über die Vorzüge sodomistischer Praktiken unterhalten und eine Kuh mit Bestnoten bedacht, da bietet sich schon die Gelegenheit von der Theorie zur Praxis zu schreiten, kommt doch so ein junger, vermeintlich naiver Bauernbursche mit einer Kuh an der Leine die Strasse entlang. Nicht nur der Kuhraub macht die Gangster und Tsane zu Gegenspielern, Tsane verliebt sich ausgerechnet in eine bildhübsche Schülerin (Marija Petronijevic), die der Gangsterboss als Nachwuchs für sein Bordell rekrutieren will.

Allerdings ist die Handlung eher Nebensache. Emir Kusturica hat sichtlich Lust am Klamauk und dem Übertreiben, wenn beispielsweise ein Gangster wie ein Luftballon aufgeblasen wird und dann auch so davonsaust, als er losgelassen wird. Kusturica legt keinen Wert auf realistische Effekte oder physikalische Plausibilität, mehr als einmal erinnern die Bilder ans französische Nachkriegskino mit seinen etwas unbeholfenen, dick aufgetragenen Gags.

Das kratzt aber genauso wenig an der auch in den eher ernsten Momenten ausgelassenen Stimmung wie die wenigen Sottisen gegen die balkanische Spielart der Demokratie und die kulturvernichtende Globalisierung. Auch in der Unterwelt haben die Kleinen Anpassungsprobleme, während der Boss nur neue Befehle geben und seine Technik anpassen muss, indem er Politiker nun mit einem Bordellbesuch ködert, wenn er eine Abrissgenehmigung benötigt, und sich mit dem Angebot brüstet, auch die Pyramiden abreissen zu können, wenn sie einer US-amerikanischen Pipeline weichen müssen.

05.05.2008

3

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