Der Wald der Trauer Frankreich, Japan 2007 – 97min.

Filmkritik

Grün bewegt

Jean Lüdeke
Filmkritik: Jean Lüdeke

Die Japanerin Kawase Naomi hat mit "La forêt de Mogari" ein ungewöhnliches mystisches Filmwerk gedreht, das die enge Verbundenheit zur Natur pur fokussiert.

Shigeki (Shigeki Uda) vegetiert in einem Altersheim, trauert um seine verstorbene Frau. Machiko (Machiko Ono) schuftet auch in diesem finalen Domizil und gibt sich redlich Mühe, Shigeki liebevoll zu pflegen. Aber auch die junge Frau wandelt auf seelisch verbrannter Erde. Sie hat Mann und Kind bei einem Verkehrsunfall verloren. An Shigekis Geburtstag will sie ihm eine besondere Freude bereiten und packt den Greis für einen Ausflug ins Auto. Unterwegs jedoch bleibt das Gefährt stecken, das ungleiche Gespann muß zu Fuss weiter. Schließlich verirren sie sich in einem großen, schönen und magischen Wald.

In der Natur finden die beiden zu sich selbst und vertiefen auch das Gefühl für den anderen, von allen erotischen und kitschigen Soßen der Anzüglichkeiten entfettet. Heimelige Szenen wie das Verspeisen einer Wassermelone und das Versteckspiel zwischen hohen Hecken wechseln mit solchen, die das labyrinthisch Unheimliche des Waldes verwurzeln. In solchen Augenblicken hat dieser grüne, undurchdringliche Raum etwas von einem Paralleluniversum. Die beiden Hauptdarsteller, die im Film übrigens ihre authentischen Namen verwenden, demonstrieren nicht gerade oscarträchtige Ausdrucksstärke vor Wald- und Wiesenpanoramen, doch wandeln sie sicher, solide und schön durch die Fauna.

"La forêt de Mogari" besticht mit extraordinärer Bildeloquenz und Aussage-Optik, die in ihrer außerordentlichen Gewalt und ihrer lyrischen wie poetischen Kraft einmalig sind. So verkürzt und minutiös mit sehr ruhigen Bildern zu erzählen, ist schon eine große Kunst. Das sind insistierende Impressionen, die lange in Erinnerungen haften bleiben. Der Film zehrt von seiner eigentümlichen Atmosphäre, die zwischen den beiden Protagonisten vibriert.

Der wunderschön anzuschauende Film ist mit Einschränkungen empfehlenswert. Die Bildkadren überzeugen durch Anmut und Expressivität. Da mag man dieses larmoyante Dahinplätschern gerne entschuldigen, zumal eine Art cinéastischer Wellness-Effekt erzeugt wird. Dennoch keimt bisweilen Langeweile auf, weil diese Thematik nicht gerade für Spannung prädestiniert ist. Aber die Arthaus-Filmfreunde, Trauerklöße, Baumfreaks und andere Pflanzenfreunde werden ihre helle Freude an diesem esoterisch verbrämten Movie finden.

07.08.2008

3

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