Entre adultes Frankreich 2007 – 80min.

Filmkritik

Melancholischer Reigen

Simon Spiegel
Filmkritik: Simon Spiegel

"Könnte nicht alles etwas einfacher sein?" - Der letzte Satz, gesprochen von Patrick, einer der wenigen Figuren, die in diesem Film niemanden betrügt, bringt es auf den Punkt: die Schwierigkeit mit der scheinbar einfachsten Sache der Welt, der Liebe.

Zwölf Gespräche, zwölf Zweierbeziehungen, die alle irgendwie nicht funktionieren. Christian wird von seiner Frau der Untreue verdächtigt. Zu Recht, doch ist sie, die Langzeitarbeitslose, ihm in jeder Beziehung unterlegen und entschuldigt sich, nachdem er sie rhetorisch eingekreist und vorgeführt hat, sogar unter Tränen bei ihm. Und in der nächsten Szene muss sie die nächste Demütigung erleben, als sie beim Vorstellungsgespräch von Philippe dazu gezwungen wird, sich zu entblössen. Philippe, der anschliessend von der Prostituierten Louise einen Korb erhalten wird... Zwölf Paarbegegnungen reiht Stéphane Brizé in "Entre adultes" hintereinander; in jeder kommt eine Figur der letzten Szene vor und eine neue taucht auf, bis am Schluss Camille, die in der ersten Szene ein Schäferstündchen mit Christian hatte, den Reigen wieder schliesst.

Brizé hat einen "sehr französischen" Film gedreht, in dem nur über die Liebe - oder vielmehr das Scheitern derselben - gesprochen wird. Entstanden ist "Entre adultes" im Rahmen eines Schauspielworkshops, gewissermassen als Entspannungsübung vor dem Dreh zu "Je ne suis pas là pour être aimé", der bereits im Kino zu sehen war: Dem Regisseur standen zwölf Schauspieler und zehn Tage zur Verfügung, und so schrieb er ein Drehbuch, das jedem der Beteiligten gleich viel Leinwandzeit garantieren würde. Offensichtlich von Arthur Schnitzlers Theaterstück "Der Reigen" inspiriert, wirft sein Film einen unsentimentalen Blick auf die Schwierigkeiten des Zwischenmenschlichen. Glücklich verliebt ist hier niemand, alle scheinen sich zu verpassen, nicht mehr oder nicht genug verliebt zu sein, doch die meisten halten zumindest den Anschein aufrecht. Die leidenschaftlichste Liebeserklärung des Films entpuppt sich im Nachhinein als bezahltes Theater.

Das mag sich in der Zusammenfassung rabenschwarz anhören, doch trotz aller Melancholie durchweht "Entre adultes" ein feiner, bitter-süsser Humor, und die hervorragenden, allesamt unbekannten Schauspielern lassen einen auch die künstliche Anlage des Filmes vergessen. Ein kleiner, unprätentiöser Film, der sich im Gedächtnis festhakt.

18.05.2021

4

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Kommentare

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raffi44

vor 15 Jahren

ich fand den Film genügend.


Gelöschter Nutzer

vor 16 Jahren

Der Film wurde gelobt, als romantische Komödie angepriesen. Mit entsprechenden Erwartungen sass ich also im Kinosessel, doch bereits nach zehn Minuten ertappte ich meine Gedanken sonstwo, überall nur nicht beim Film... Die Geschichten der verschiedenen Paare sind aus dem Leben gegriffen. Aber leider wird bei der Verfilmung dieser Szenen auf jegliche Spannungserzeugung verzichtet. Klar, solche Beziehungsgeschichten spielen sich teilweise ruhig und emotional ab, doch das bringt der Film nicht rüber. Meiner Meinung nach bringt er gar nichts rüber, er lässt das Publikum unberührt und nach dem Film fragt man sich, was diese Menschen zueinander hingezogen hat. Die Unattraktivität der Schauspieler macht den Film leider auch nicht erträglicher. Ein Film, auf den das Kino bestimmt nicht gewartet hat.Mehr anzeigen


durschei

vor 16 Jahren

Hervorragender Film mit intelligentem Inhalt. Frust, Sehnsucht, Verlogenheit zwischen Mann und Frau feinfühlend vom Regisseur gezeigt und super gespielt. Ein Film mit Nachhaltigkeit.


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