Enttarnt USA 2007 – 110min.

Filmkritik

Kampf der Schreibtisch-Hengste

Filmkritik: Dominique Zahnd

Der grösste Agentenskandal der "The Breach" erzählt die Geschichte des FBI-Agenten Robert Hanssen (Chris Cooper), der über 20 Jahre lang geheime US-Informationen an die frühere Sowjetunion verkaufte. Erst 2001 wanderte Hanssen in den Knast. Die Behörden waren ihm schon länger auf den Fersen, konnten ihm jedoch nichts nachweisen, bis sie einen Maulwurf (Ryan Philippe) einsetzten. Die US-Geschichte steht im Mittelpunkt von «Breach». Regisseur Billy Ray hat ihn bewusst unspektakulär in Szene gesetzt.

In den letzten Jahren verkam der klassische Agentenfilm immer mehr zur Popcorn-Action mit grossen Explosionen, viel Selbstironie und etlichen Schmunzelszenen - siehe «True Lies» (1994) oder «Mr. & Mrs. Smith» (2005). Doch bereits das letzte Bond-Abenteuer «Casino Royale» (2006) setzte zum Gegentrend an: Weniger mit Effekten protzen, mehr um Realitätsnähe bemüht. Noch einen Schritt weiter in der Abkehr vom Spektakel gingen «Syriana» (2005) oder «The Good Shepherd» (2006). Wirklichkeitsnähe ist mehr denn je gefragt. Und in dieser Ecke ist auch «Breach» anzusiedeln.

Hier wird die Story des FBI-Agenten Robert Hanssen (Chris Cooper) erzählt, der über zwanzig Jahre lang geheime US-Informationen an die frühere Sowjetunion verkaufte, was unter anderem zu der Liquidierung amerikanischer Agenten führte. Erst 2001 wanderte Hanssen in den Knast. Die Behörden waren ihm schon länger auf den Fersen, konnten ihm jedoch nichts nachweisen. Also wurde ein Maulwurf eingesetzt, um ihn zu überführen. Auf diese Episode konzentriert sich «Breach». Den Enttarner, den jungen FBI-Angestellten Eric O'Neill, spielt Ryan Phillippe. Er hat die Aufgabe, das Vertrauen des Verräters zu gewinnen - und Beweise zu sammeln.

Regisseur und Co-Autor Billy Ray führt die Geschichte mit Fakten ein, im Nachrichtenstil präsentiert. Das Ende wird gleich zu Beginn verraten. Sein Film interessiert sich vor allem dafür, wie es zu alledem kam. Dazu nutzt er die Figur O'Neills, um aus deren persönlicher Blickweise dem Zuschauer die Geschehnisse näher zu bringen. Ab und zu kommt es zu Thriller-Momenten, sonst aber entpuppt sich «Breach» eher als Drama mit schleichendem Gang. Action? Wüste Verfolgungsjagden? Gag-Feuerwerke? In diesem Agentenfilm hat das alles keinen Platz. Denn die Hauptfiguren sind keine schiesswütigen Draufgänger, sondern pure Schreibtischhengste.

Hier geht es um Sonderlinge und das Leben in der Einsamkeit. Ihre Ängste, den Druck, mit dem sie leben. Und die Entfremdung von ihrer Umwelt. So unspektakulär wie das klingt ist auch die Kameraführung. Die Bilder von Kameramann Tak Fujimoto sind blass-dunkel, trist und alltagsnah. Die Performance von Chris Cooper ist famos. Er verkörpert keinen Bösewicht von der Stange, sondern überzeugt mit nuancenreichem Spiel zwischen spiessbürgerlichem Familienmensch und pervertiertem Verräter. Der Film steht und fällt mit Coopers Leistung - und die ist gelungen. An seiner Seite müht sich Ryan Phillippe ab, ihm die Stirn zu bieten. Doch er macht seine Sache auch ganz gut.

Regisseur Billy Ray zeigt ein psychologisches Katz-und-Maus-Spiel, dass sich ganz auf die Leistungen seiner zwei Protagonisten verlässt. Wem klassisches Schauspielerkino gefällt, wird von «Breach» nicht enttäuscht sein.

08.07.2009

4

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Kommentare

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m3ph1st0

vor 12 Jahren


raffi44

vor 13 Jahren

ich war fasziniert..


cineast2001

vor 13 Jahren

Zugegeben das Thema ist sehr typisch amerikanisch und mal wieder "Based on a true story".
Dieser Film ist herausragend und nach einer kleinen „ langatmigen "Gewöhnungssphase"(so habe ich das jedenfalls empfunden) ist der Zuschauer durch die beiden Schauspieler, die mit einer grandiosen schauspielerischen Leistung aufwarten, durch und durch gefesselt.

Das Thema an sich ist spannend: Ein hochrangiger F. B. I. - Agent(Chris Cooper) wird verdächtigt, Geheimnisse an die Sowjets weiter zu geben. Ein junger aufstrebender Agent(Ryan Phillippe) wird auf ihn angesetzt und der "Verräter" wird schließlich und endlich überführt.

Man sollte sich aber nicht an der Langatmigkeit der Inszenierung stören!
Dieser Film lebt von dem subtilen "Charakterkampf" dieser einzigartigen Darsteller!
Sie machen die Umsetzung dieser „ wahren Begebenheit“ zu einem Feuerwerk schauspielerischen Schaffens!
Der Regisseur lässt seine beiden Darsteller optimal agieren. Die subtile Mimik und Gestik der Hauptdarsteller rundet dieses Meisterwerk einzigartig ab!


Dieses (Film-) Jahr scheint ein ganz großes zu sein! Die Leckerbissen für die (anspruchsvollen) Filmfans sind gedeckt.
Dies ist Hollywood fernab des Popcornkinos!


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