CH.FILM

Deep Frozen Österreich, Luxemburg, Schweiz 2006 – 94min.

Filmkritik

Besuch der jungen Sirene

Rolf Breiner
Filmkritik: Rolf Breiner

Die Dorfposse mit makabrer Garnitur benutzt die schöne Filmkonstellation von der attraktiven, fremden Frau, die kommt, den Männern den Kopf verdreht und verschwindet. Ihre Erscheinung kostet Leben - und den Zuschauer Nerven. Die so genannte schwarze Komödie mit Peter Lohmeyer bietet Tiefkühlkost, die nicht recht auftauen will.

Provinzposse, Dorfkrimi, Liebesdrama? Das verspricht viel, hält aber wenig. Man fragt sich freilich, was ein wackerer Schauspieler und solider Leinwand-Fussballer wie Peter Lohmeyer ("Das Wunder von Bern") in einem verquerten Streifen wie "Deep Frozen" zu suchen hat. Man nenne einen einzigen Grund ausser Brötchenverdienen, der die Mitarbeit in diesem luxemburgischen Dorfringelpietz mit erotischen Ablenkungsmanövern und krimineller Energie rechtfertigen könnte!

Der unterkühlte Dorfunternehmer Ronnie (Lohmeyer), der mit Tiefkühlkostwaren handelt, hat nicht gerade das grosse Heldenlos gezogen. Ronnie erzählt von Begebenheiten, die dem Provinzkaff Weinfelden, nicht verwandt und verschwägert mit der gleichnamigen Schweizer Ortschaft, und ihm widerfahren sind. Ein Dorf döst vor sich hin, bis sie auftaucht: Zoya, die schöne Unbekannte, die junge Sirene. Sie animiert einen Bauern zum Tanzen und weckt Begehrlichkeiten - vom Pfarrer bis zum Dorfwirt und natürlich auch bei Ronnie. Mal spielt sie die gute, teilnehmende Fee, mal die Femme Fatal. Die Männer gehen ihr auf den Leim. Sind sie Weicheier, Opfer oder einfach nur Trottel? Ein paar randständige Frauengestalten tigern auch herum. Die Wirtsfrau Zelma (Marja-Leena Junker) etwa, mehr Mann als Weib und mit einem besonderen Draht zu Feuerstühlen. Oder Ex-Stewardess Vikki (Ingrid Caven), Ronnies Mutter, die einst Männer vernaschte und noch immer vom Nimbus einer Weinkönigin träumt.

Die komischen Käuze und Kerle in diesem Kaff haben gestörte Kontakte zur Weiblichkeit. Auch Ronnie gehört dazu, ein Feuerwehrmann, der via Briefe Kontakte mit Frauen sucht. Polizeibeamter Speck (Marco Lorenzini) markiert gerne den Macho, ist kein Charmebolzen, aber das erste Opfer. Ex-Rockstar Lars van Miele (Thierry van Werveke) dümpelt durch ein abgewracktes Leben und wird tief gefroren. Die Erscheinung Zoya (Lale Yavas) hat den Nimbus einer Fee und einer Femme Fatal, ist halb Heilige, halb Hure. Doch der Schein trügt - so oder so. Ronnie erzählt von den Begebenheiten mit der undurchsichtigen Zoya aus seiner Sicht. Und Beichtvater Psy (André Jung), der Psychologe, macht sich selber ein Bild vom Dorf, den Menschen und Vorkommnissen. Das Ende Zayas und ihr Verschwinden erinnert an Szenen in Lars von Triers "Manderlay", ohne jedoch dessen Klasse und Dichte zu erreichen.

Ein paar Leichen, kauzige Kerle und eine schöne Erscheinung, als wär's ein "Besuch der alten Dame": Aus diesen Zutaten zimmerte Andy Bausch einen Krimi zwischen Liebesfarce und Dorfposse. Ein Schuss Mystery ist auch dabei. Doch die luxemburgische Produktion mit Schweizer Beteiligung ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Bausch wollte eine schwarze Komödie über Männer, die an Frauen scheitern oder zumindest bei ihnen nicht landen, drehen. Gefühle, die eingefroren und schwerlich aufzutauen sind. Sein Film ist brav und provinziell, er kann das Versprechen nicht einlösen, die Angst der Männer vor Frauen in einer schwarzen Komödie zu verpacken. Der Unterhaltungswert ist ziemlich schwach, das Überraschungsmoment dürftig, und die Dramaturgie unausgegoren.

25.05.2021

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