American Dreamz USA 2006 – 107min.

Filmkritik

Lebe deinen Traum

Filmkritik: Jürg Tschirren

Casting-Shows, Geissel der Menschheit. "American Pie"-Regisseur Paul Weitz hat darüber eine Satire gedreht, die allerdings selbst nicht viel gewagter ist als das durchschnittliche Final-Lied eines "MusicStar"-Kandidaten. Immerhin, es gibt mehr als einen Lacher und Hugh Grant ist auch zu sehen.

Hätte man bloss auf Julie Burchill gehört. Die erklärte vor Jahren, dass es kein Menschenrecht auf das Popstarwerden gebe. Leider ist die englische Popjournalistin unterdessen in Vergessenheit geraten; so folgte auf "Pop Idol" erst "American Idol", dann "Deutschland sucht den Superstar", "World Idol" und tausend weitere Casting-Shows. Irgendwann standen dann auch in der Schweiz Carmen Fenk und diese schreckliche Walliserin auf der Bühne und träumten nicht ihr Leben, sondern lebten ihren Traum.

Solche Schiessbudenfiguren sind für Spott und Hohn ein ähnlich leichtes Ziel wie etwa der derzeitige Präsident der Vereinigten Staaten. Das wird sich auch Paul Weitz ("About a Boy") gedacht haben und packt gleich beides - Casting-Show-Kandidaten und George W. Bush - in einen Film. Womit wir schon beim Grundproblem von "American Dreamz" wären. Dass hier nämlich nur das Naheliegende durch den Kakao gezogen wird und keine Pointe wirklich unerwartet kommt. Nehmen wir den von Dennis Quaid gespielten US-Präsidenten Staton: Der Mann hat ganz offensichtlich von Weltpolitik keine Ahnung, liest in der Zeitung nur die Comic Strips und ist ganz allgemein so, wie man sich einen Idioten aus Texas gerne vorstellt. Damit erschöpft sich aber das kritische Potential der Figur und am Ende des Films gehört Staton zu den wenigen Sympathieträgern.

Nicht eben freundlich wird dagegen Hugh Grant gezeigt, der zynische Host der Casting-Show "American Dreamz" (das US-Publikum darf in ihm Simon Cowell erkennen, den englischen Dieter Bohlen). Immerhin gehören ihm die schönsten Sprüche des Films, etwa wenn er sein Konzept erklärt: "Geht heraus und sucht mir richtig gute Kandidaten. Und ich meine nicht nur talentiert, ich meine: menschlich. Und mit menschlich meine ich: mit Fehlern. Und mit Fehlern meine ich: bringt mir Freaks." Oder wenn er die Gesangsleistung eines Kandidaten einen musikalischen Ebola-Virus nennt: "Ich glaube, dass tatsächlich meine Ohren bluten."

"American Dreamz" ist auch daneben für einige Lacher gut, schliesslich hat Paul Weitz seine Filmkarriere mit "American Pie" gestartet. Bloss erwartete man dort kaum mehr als ein paar anzügliche Scherze und vielleicht mal eine Szene, in der ein Darsteller furzt. Für eine politische Satire fehlt dem Regisseur aber definitiv der nötige Biss.

24.04.2012

3

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Kommentare

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movie world filip

vor 9 Jahren

letzter hugh grant film?.. gute satire über casting shows


kiwi333

vor 14 Jahren

super heile amerikanische welt! kotz!


rosarot

vor 14 Jahren

der film geht so. hab die ganze zeit auf etwas tolles gewartet..


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