Moolaadé Burkina Faso, Kamerun, Frankreich, Senegal, Tunesien 2004 – 120min.

Moolaadé

Filmkritik

Irgendwo in Afrika

Filmkritik: Tobias Bühlmann

Mit «Moolaadé» hat Altmeister Ousmane Sembène ein beeindruckendes Dokument über den Kampf gegen die Beschneidung junger Mädchen geschaffen.

In einem Dorf irgendwo in Afrika: Die Beschneiderinnen sind unterwegs, um die jungen Mädchen zu Beschneiden - nur so gelten sie als gereinigt und heiratsfähig. Aus Angst vor dem grausamen Ritual flüchten vier Mädchen. Weil man sich am Dorfbrunnen erzählt, dass Collé Ardo (Fatoumata Coulibaly) einst ihre eigene Tochter Amasatou (Salimata Traoré) vor der Beschneidung bewahrte, ersuchen die vier um ihren Schutz. Collé nimmt die Mädchen bei sich auf und errichtet ein Moolaadé, einen Schutzbann, um sie vor dem Zugriff der Beschneiderinnen zu bewahren.

Durch die Zuflucht, die sie den Mädchen bietet, zieht Collé jedoch den Zorn der Dorfgemeinschaft auf sich: unbeschnittene Mädchen sind Bilakaro, unrein, und kein Mann will eine Bilakaro heiraten. Obwohl die Dorfgemeinschaft samt ihrer eigenen Familie Collé unter Druck setzt und sie zwingen will, den Bann aufzuheben, bleibt sie standhaft - zu schmerzhaft sind die Erinnerungen an ihre eigene Beschneidung und deren Folgen. Als sich andere Frauen mit Collé solidarisieren, sehen die Älteren und der Imam die Tradition in Gefahr. Den Grund für das Aufbegehren sehen sie in schädlichen Einflüssen von aussen, weshalb sie alle Radios des Dorfes zerstören und einen fahrenden Händler vertreiben. Doch das neue Selbstbewusstsein der Frauen ist nicht so einfach zu brechen

"Moolaadé" ist nach «Faat Kiné» Teil zwei einer Trilogie, die Ousmane Sembène der Rolle der Frau in der afrikanischen Gesellschaft gewidmet hat. Für einmal kommt also ein Film zu uns ins Kino, der eine afrikanische Thematik auch tatsächlich in einer afrikanischen Sichtweise darstellt. Das Resultat ist zugegebenermassen sperrig - für Augen und Ohren, die sich abendländische oder auch asiatische Filme gewohnt sind, ist Moolaadé ungewohnte Kost. Bewertete man diesen Film aus der gewohnten Warte, man würde ihm wohl kaum gerecht. Das Schauspiel ist zuweilen etwas gar hölzern, und der Film hat auch Längen. Dafür bietet er nebst wunderschönen, intensiven Bildern vor allem auch einen tiefen, äusserst interessanten Einblick in Gemeinschaft und Kultur eines afrikanischen Dorfes.

31.05.2006

3.5

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